Weltraumreisen: eine Familienangelegenheit?

17. Februar 2002, 11:00
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US-Anthropologe John Moore empfiehlt astronautische Familien-Missionen - mit Blick auf Vorbilder in der Geschichte

Frankfurt/Main - Eine Reise zu fernen Sternen ist nichts für einsame Weltraumsoldaten, sondern eher etwas für Familien; unter anderem mit Vater, Mutter und Kindern, wie der US-Anthropologe John Moore erklärt. Familien hätten die Motivation und auch die natürliche Organisation, die notwendig sei, um die Spannungen zu überstehen, die bei Reisen von vielleicht 200 Jahren auftreten, sagt Moore. Er begründet seine Ansicht mit Erfahrungen aus der Geschichte.

"Wenn auf der Erde Gebiete besiedelt wurden, dann waren es immer Familien, die ein besseres Leben suchten", sagt Moore. "Alle Kolonisationen, die mir bekannt sind, wurden von Familien unternommen, besonders von jungen Paaren." Er fügte hinzu, ein russischer Kosmonaut habe jüngst davor gewarnt, dass es bei Situationen wie der diskutierten Mars-Mission, bei der sieben Erwachsene neun Monate lang Schulter an Schulter leben, alle Voraussetzungen für einen Mord gebe.

Fitness nicht so wichtig

Stärke und körperliche Fitness, wie dies die ersten Astronauten noch brauchen, sei bei längeren Reisen nicht so wichtig, sagt Moore. "Für eine Raumschiffbesatzung, die zu einer Kolonisierung und einer Reise über mehrere Generationen aufbricht, ist eine Hebamme genau so wichtig wie der Antrieb." Für den Start sei eine Besatzung mit kinderlosen, jungen Paaren am besten. So könnten sie sich die ersten Jahre an ihre neue Umgebung gewöhnen, ohne sich um die Kinder kümmern zu müssen.

Moore verwies auf die Vorfahren der heutigen Polynesier in der Südsee, wo die jungen Paare in Kanus auf das Meer hinausfuhren, sich vom Wind treiben ließen und nur eines ganz sicher wussten, "dass sie nicht wiederkommen." (APA/AP)

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