Telefon-Trickbetrüger in Wien unterwegs

16. Februar 2002, 23:36
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Luchsen älteren Damen als "verschollene Verwandte" Geld ab - Bande möglicherweise österreichweit tätig

Wien - Mit einem "Telefonschmäh" hat eine vorerst unbekannte Trickbetrügergruppe in den vergangenen Tagen in Wien mehrere alte Damen hereingelegt und Summen zwischen 3.000 und 20.000 Euro ergaunert. Nach Angaben der Polizei ruft ein Mann verschiedene Telefonnummern an und behauptet, ein Verwandter bzw. Bekannter zu sein, der sich längere Zeit nicht gemeldet habe. Dann lasse er nach seinem Vornamen raten und sage nach dem dritten oder vierten Versuch: "Du hast recht, ich bin es." Dann versucht der Unbekannte - Geschädigte sprachen von Männern mit bundesdeutschem Akzent, den Frauen Geld für einen angeblichen Autokauf herauszulocken.

Fall in Döbling

In einem konkreten Fall machte er einer älteren Frau in Wien-Döbling weis, er benötige sofort 20.000 Euro, würde den Autoverkäufer vorbeischicken und das Geld am Abend bei einem Treffen beim Heurigen zurückgeben. Die Dame ging zur Bank, hob das Geld ab und übergab es dem angeblichen Händler. Am Abend wartete sie vergeblich beim Heurigen - und ging anschließend zur Polizei.

Das Wiener Sicherheitsbüro warnt vor den Trickbetrügern. Die Polizei ersucht mögliche weitere Geschädigte, sich an das nächste Wachzimmer zu wenden.

Bande möglicherweise österreichweit tätig

Nach Angaben der Polizei ist am Freitag in Innsbruck ein Unbekannter mit hochdeutscher Sprachfärbung aufgetreten, der vermutlich mehrere betagte Frauen anrief, um sich Geld zu "borgen". Auch hier gab der Anrufer immer an, dass er ein Verwandter bzw. Bekannter sei. Er befinde sich in Innsbruck, benötige Geld für einen Autokauf und müsse sich einen Betrag in der Höhe von 10.000 bis 30.000 Euro borgen. Bisher hätten sich elf in dieser Weise angerufene Frauen gemeldet.

Eine 83-Jährige habe sich verleiten lassen, 14.000 Euro bei ihrer Bank abzuheben und mit sich nach Hause zu bringen. Als der unbekannte Täter, der sich als "Enkel" aus Heidelberg ausgegeben hatte, um 15.30 Uhr bei ihr angerufen und sich versichert habe, dass das Geld verfügbar sei, kündigte er den Besuch eines Bekannten an. Die alte Dame wollte das Geld aber keinem Fremden aushändigen, der Besuch des "Bekannten" unterblieb daher. Am Samstag überprüften die Kriminalisten noch einen Fall, bei dem eine ältere Dame am Freitag einen größeren Geldbetrag nach einem solchen Anruf "geliehen" hatte.

Oberösterreich und Salzburg

Die Betrügereien stünden in offensichtlichem Zusammenhang mit derartigen Delikten in Oberösterreich und Salzburg, erklärte die Polizei. Dort seien zwei Männer und ein Frau mit südländischem Aussehen aufgetreten. Sie benützten vermutlich einen Pkw der Marke Renault, älteres Baujahr, mit deutschem Kennzeichen. Hinweise wurden an den Journaldienst der Polizei Innsbruck, 0512/5900-3020 (DW) erbeten.

Mit derselben Masche ist - wie berichtet - die Bande auch in Salzburg unterwegs. Zuletzt erstattete eine 83-jährige Pensionistin aus der Mozartstadt Anzeige, weil ihr von einem Mann mit dieser Masche insgesamt 5.000 Euro (68.800 S) herausgelockt worden waren, teilte die Kriminalpolizei am Freitag mit. Einer 76-jährigen Pensionistin kam am Donnerstag der Wunsch eines ihr unbekannten Mannes nach 25.000 Euro für einen Autokauf dann doch komisch vor, und sie verweigerte die Ausfolgung des schon von der Bank abgehobenen Geldbetrages. Der Polizei ist auch der Fall einer 80-jährigen Pensionistin bekannt. Diese hat das Ansinnen des Anrufers, der in allen Fällen versucht habe, ein Vertrauensverhältnis zum Opfer aufzubauen, aber kategorisch abgelehnt. (APA)

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