Keine Pille für die Katz?

15. Februar 2002, 21:45
posten

Empfängnisverhütung bei Katzen ist eine wichtige Sache - und ohne schwere Nebenwirkungen leider nur operativ möglich

Warum gibt es für Katzen eigentlich keine Antibabypille? Diese Frage ist immer wieder zu hören - von Katzenfreunden, die ihrem Liebling ein Sexualleben zubilligen und die Kastration ersparen wollen, von Besorgten, die hoffen, dass man so den "Katzenüberschuss", der vielerorts zu großem Leid führt, vermeiden könnte. Warum gibt es also keine Pille für die Katz?

Die Tierärztin Claudia Hochleithner erklärt: "Es gibt zwar ein empfängnisverhütendes Präparat für Katzen, aber das kann gefährliche Nebenwirkungen zeigen. Es fördert das Wachstum von Tumoren, und schon eine kurzzeitige Gabe verändert die Gebärmutter nachhaltig."

Bei der Kätzin ist die Befruchtung eine komplizierte Sache: Der Eisprung erfolgt nicht wie etwa bei vielen anderen Tierarten vor dem Deckakt, sondern wird erst durch diesen ausgelöst. Ist die Kätzin rollig und hat keinen Verkehr, bleibt das Ei gewissermaßen "in Wartestellung" - Katzenweibchen, die keinen Sexualkontakt haben, werden in immer kürzeren Abständen rollig, eine "Dauerrolligkeit" droht. Hochleithner: "Das ist für die Kätzin eine große körperliche Belastung, außerdem können sich Zysten oder Tumore bilden."

"Enthaltsamkeit" ist bei Kätzinnen ohne gesundheitliche Nebenwirkungen also nicht möglich, aber auch die Pille ist nicht zu empfehlen: Sie enthält nämlich ein synthetisches Hormon, das 20- bis 30-mal aktiver ist als sein natürliches Vorbild. Hochleithner: "Das Medikament darf keineswegs gegeben werden, wenn krankhafte Veränderungen an den Geschlechtsorganen oder am Gesäuge vorliegen, aber diese sind auch bei gründlicher Untersuchung nie hundertprozentig auszuschließen. Das Risiko, dass durch das Präparat eine schwere Erkrankung ausgelöst wird, ist also sehr hoch."

Routinemäßig wird die Katzen-Pille deshalb nicht verordnet. Bei Zuchtkatzen wird sie mitunter verlangt, um eine Rolligkeit zu verhindern oder zu verschieben - etwa weil eine Rassekatzen-Ausstellung besucht werden soll. Hochleithner: "Der Besitzer des Tieres sollte sich aber bewusst sein, welchem Risiko er die Katze aussetzt."

Jahreslanges, bequemes Empfängnisverhüten wie bei der Antibabypille ist mit der Pille für die Katz also keinesfalls möglich. Die adäquate Form einer dauerhaften Verhütung für Kätzinnen ist deshalb die Kastration. Hochleithner: "Das ist heute ein kleiner Eingriff. Da die Narkosetechnik sich sehr verbessert hat, besteht kaum ein Risiko für das Tier. Bei jungen Katzen warten wir die erste Rolligkeit ab, so ist der Hormonzyklus einmal durchlaufen worden - danach wird kastriert. Bei Katern kastriert man übrigens nach dem ersten ,Markieren'."

Das Wesen der Katze ändert sich durch eine Kastration keineswegs, und wenn es genügend Abwechslung im Katzenleben gibt und das Tier nicht "gemästet" wird, bleibt auch die kastrierte Katze schlank. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17. 2. 2002)

Von Andrea Dee
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.