Nabelschnur macht leukämiefrei

15. Februar 2002, 20:52
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Graz: Stammzellen eines Neugeborenen "retten" erste Erwachsene

Graz - Nabelschnur-Stammzellen bewiesen bei einer Frau mit akuter myeloischer Leukämie in Graz ihre Vielseitigkeit. "Die 33-Jährige", berichtet Hämatologe Werner Linkesch von der Uniklinik, "war in Dauerleukämie und wäre im Jänner gestorben." Wie so oft bei diesem Blutkrebs, der unreife weiße Blutkörperchen wuchern lässt, war es trotz Intensivmedikation zu Rückfällen gekommen.

"Nun ist die Patientin am Tag 60 nach der Transplantation leukämiefrei mit einem normalen Blutbild", freut sich Linkesch. "Und: Sie hat die Chance, geheilt zu werden. Die hatte sie vorher nicht."

Dabei fand sich unter den 7,4 Millionen typisierten Stammzellspendern weltweit kein einziger mit passenden Gewebsmerkmalen. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 1:500.000. "Wir haben ein Jahr lang gesucht", erinnert sich der Transplantationsmediziner an den Versuch, eine "wilde Abstoßungsreaktion" zu vermeiden.

Was blieb, war eine von 85.000 tiefgekühlten Nabelschnurblutkonserven. Und die Hoffnung, dass sich deren Stammzellen - im Gegensatz zu Knochenmarkszellen - "noch nicht als so fremd" präsentierten, sagt Linkesch. Doch die Konserve einer Nabelschnurbank in Mailand wich in zwei wichtigen Punkten von den gesuchten Gewebseigenschaften ab. "Normal würd' ich mich das nicht transplantieren trauen, aber die Frau hatte mit dem Leben abgeschlossen", erinnert sich Linkesch. "Und wir hatten ihr nichts mehr zu bieten."

Normal nur für Kinder

Das Besondere daran ist nicht nur, dass die Patientin die Transfusion gut vertrug, sondern auch die erzielte Transplantatsmenge. "Das muss", kommentiert Linkesch, "ein ganz ein schönes Bröckerl gewesen sein, um für einen Erwachsenen genügend Zellen abzugeben." Ein nordafrikanisches Baby, aus dessen Plazenta entsprechendes Blut abgenommen und zur Fremdspende ("allogen") eingelagert worden war. Normalerweise reicht die Zellzahl für einen Menschen bis etwa 45 Kilo, also eher nur für Kinder.

Nun stärkt man damit erstmals in Österreich die Abwehr einer Erwachsenen gegen Leukämie. "Blutstammzellen", sagt Linkesch begeistert, "machen den Job, wandern dorthin, wo sie hingehören. Sie checken mit einer Art Rüssel, ob sie dort richtig sind. Da kriegt man richtig Respekt." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17. 2. 2002)

Von Roland Schönbauer
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