Freiheitliche Sozialisten - Von Luise Ungerboeck

15. Februar 2002, 19:09
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Alfred Heinzel, Präsident der ÖIAG, muss glücklich sein. Endlich sitzt in der Verstaatlichtenholding statt des rabiaten Johannes Ditz ein älterer Herr, dem es nichts ausmacht, wenn er nur einen Dreijahresvertrag bekommt. Mit der Ernennung des weithin unbekannten Rainer Wieltsch hat es die blaue Jagdgesellschaft endlich geschafft, die Verstaatlichte Industrie in eine Spielwiese für Politiker zu verwandeln. Denn der Holzmanager wird deren Begehrlichkeiten außer dicken Spanplatten wenig entgegenhalten können, politisch unerfahren, gehört er auf diesem Gebiet eher zu den Dünnbrettbohrern.

Hinzukommt, dass der industrie- und wirtschaftspolitische Kurs völlig gewechselt wird. Denn bisher war mit P.S.K., Austria Tabak und Dorotheum im Namen des heiligen Nulldefizits alles verkauft worden, was nicht niet- und nagelfest war. Missliebige Manager und Aufsichtsräte mussten gehen.

Als sich dann private Investoren für den Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm interessierten, erwachten in den blauen Papiertigern plötzlich Besitzansprüche. So etwas dürfe bei der Voestalpine nicht mehr passieren, man werde bei der geplanten Kapitalerhöhung mitziehen. Dass das eine Milliarde Schilling kostet, der ÖIAG aber genau gar nichts bringt, spielt keine Rolle. Schließlich hat ein Vierteleigentümer laut Aktienrecht kein Jota mehr Gewicht als ein Aktionär mit 31 Prozent. Vergessen der Schuldenabbau, kein böses Wort mehr über die früher als sozialistisch verteufelte Rolle des Staates als Kernaktionär.

Den Kapitalmarkt dürften die "freiheitlichen Sozialisten" aber nicht ganz verstanden haben: Denn erstens verletzt dies den Grundsatz, die ÖIAG verstaatliche nichts mehr, und zweitens stehen die privaten Kapitalgeber nicht auf blockierende Politiker als Miteigentümer. (DER STANDARD, Printausgabe 16.2.2002)

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