Stadterneuerung: Schicker will "stupsen"

15. Februar 2002, 20:38
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Sanierung kommt in Ottakring nur langsam in Schwung - neue Leitlinien für den Bezirk

Wien - "Die Erneuerungstätigkeit ist vielleicht ein bisserl zu langsam", stellte Planungsstadtrat Rudolf Schicker am Freitag bei einer Bezirkstour durch Ottakring fest - "da werden wir ein bisschen anstupsen müssen".

Die Ursachen für die eher träge anlaufende Sanierungstätigkeit im Gürtelumfeld sieht Schicker auf beiden Seiten: "Zum Einem haben vor zirka zehn Jahren einige geglaubt, sie können sich hier goldene Nasen verdienen, das war ein bisschen von Spekulation getragen."

Dass es auch an langsamen Behördenverfahren liegen könnte, glaubt Schicker hingegen nicht - im Gegenteil: "Es ist erstaunlich, wie schwer es offensichtlich Manchen fällt, die nötigen Unterlagen beizubringen." Umdenken müsse die Kommune hingegen in einem anderen Bereich: "In Gürtelnähe waren wir in der Höhenentwicklung vielleicht etwas zu restriktiv." Und das ist nicht sonderlich lukrativ für potenzielle Investoren.

Wie etwa um die Höhe des "Hernalser Hofes" am Gürtel gestritten wurde. Wie dieser Neubau nun verwirklicht werden kann, soll im Frühjahr im Gemeinderat beschlossen werden, hofft Schicker.

Zentrum Brauerei

Etwas mehr Tempo wünscht sich Bezirksvorsteherin Ernestine Graßberger (SP) auch bei einem anderen Projekt; ein Herzstück der neuen Leitlinien zur Bezirksentwicklung: "Ich würde mir wünschen, dass das Brauereiviertel langsam Wirklichkeit wird." Immerhin wurde der Wettbewerb für die Neunutzung von Teilen des Ottakringer Brauerei-Geländes schon 1998 vom Team Nehrer, Medek und Partner gewonnen und inzwischen adaptiert.

Derzeit ist auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Areal ein 60 Meter hoher Büro- und Hotelturm vorgesehen, entlang der Thaliastraße ein Einkaufszentrum sowie Gewerbebetriebe und Büros sowie an der Feßtgasse eine vier- bis sechsgeschoßige Bebauung mit einem weiteren, etwa 35 Meter hohen Turm. Kurz: Ein Stadtentwicklungsgebiet, in dem laut Schicker "ein neues Bezirkszentrum" entstehen soll.

Ein weiteres derartiges Hoffnungsgebiet ist das Projekt "Gartensiedlung Arnethgasse" vom gleichen Architektenteam: Hier soll nördlich der Ottakringer Straße an der Grenze zu Hernals das "nur noch sporadisch betrieblich genutzte" Gebiet mit knapp 300 neuen Wohnungen aufgewertet werden.

Dazu kommen etwa noch Vorbereitungen für einen Umbau des Johann Nepomuk Berger-Platzes und einer Neugestaltung des Brunnenmarktes, der gemeinsam mit den Betroffenen geplant werden soll. Aber auch Vorhaben für die bessere Erschließung des Grünraumes finden sich in den neuen Bezirksleitlinien: Eine Ergänzung der bestehenden Radverbindungen durch die Radrouten Gallizinberg Nord und Süd. (frei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.2.2002)

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