"Sulfatieren" sagen Plantagenarbeiter dazu

15. Februar 2002, 20:04
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Auch Tagelöhner auf den andalusischen Plantagen sind den Giften ausgesetzt

Die dünne Erdschicht in der Küstenregion Almerías ist von der intensiven Bewirtschaftung längst ausgelaugt - bis zu dreimal im Jahr wird geerntet. Im Auftrag der Gemüsebauern suchen Wissenschafter nach neuen Methoden, um die Produktivität der Pflanzen und deren Resistenz gegen Schädlinge zu steigern. Eine Kontrolle der rund um El Ejido eingesetzten Pestizide durch die zuständige Umweltbehörden scheint aber undurchführbar. Im Labyrinth der Feldwege, die sich zwischen den mit Plastikplanen bedeckten Gemüseplantagen verlieren, braucht man einen ortskundigen Führer.

Juan Cantón, Präsident einer Agrarkooperative führt durch die Canalex-Fabrik, in der täglich mehrere Tonnen Obst und Gemüse abgepackt und für den Transport fertig gemacht werden - auch nach Österreich. Seine Kooperative finanziert eine Außenstelle der Universität von Granada, die sich mit neuen Methoden der Aufzucht von Gemüsekeimlingen beschäftigt. Die Ortschaft El Ejido, durch Rassenunruhen gegen Marokkaner in die Schlagzeilen geraten, ist die Hochburg andalusischer Gemüseproduktion.

Der Boom des "grünen Goldes" hat auch Illegale auf der Suche nach Arbeit angelockt. "Sulfatieren" nennt man die Behandlung der Pflanzen mit einem aus Schwefelsäuresalz und anderen Chemikalien gemischten Cocktail hier, erzählt einer von ihnen, der aus Ecuador stammende Pedro. "Ausräuchern wäre das richtige Wort", meint Carlos, der ebenfalls ohne Papiere als Tagelöhner in den Gemüseplantagen arbeitet. "Wenn in Ecuador ausgeräuchert wurde, gab man uns immer Milch zu trinken. Hier gibt man uns nichts. Dabei sind das beißende Chemikalien und so mancher ist während der Arbeit schon in Ohnmacht gefallen. Ich habe auch bemerkt, dass die Düngemittel nicht ordentlich entsorgt werden. Bei der Hitze verdampfen die Chemikalien und dringen durch die Poren in die Haut ein."

Der 65-jährige Juan Cantón, der es dank des Gemüsebooms vom Landarbeiter zum Unternehmer gebracht hat, legt Wert auf die Feststellung, in seinem Betrieb sei alles "legal": Die Landarbeiter hätten Arbeitspapiere, die eingesetzten Düngemittel seien genehmigt, die Waren würden vor dem Export regelmäßig analysiert und kontrolliert.

Montse heißt die Ordensschwester aus Barcelona, die sich um Illegale in Ejido kümmert. Sie spricht von einer "Mauer des Schweigens", gegen die sie immer wieder prallt: "Ejido ist kein Einzelfall, aber die Entwicklung war besonders rasant." Von Missständen, unwürdigen Lebensbedingungen der Illegalen wüssten alle, "dagegen unternehmen will niemand etwas". Auch Montse kennt Fälle akuter Vergiftungen: "Landarbeiter landen im Ambulatorium." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.2.2002)

Mit Pestiziden angereichertes spanisches Gemüse im österreichischen Handel stellt nicht nur für heimische Konsumenten eine Gefahr dar. Auch die Tagelöhner auf den andalusischen Plantagen sind den Giften ausgesetzt.

Von STANDARD-Korrespondent Josef Manola aus El Ejido

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