Brasilien: Schwere Zusammenstöße zwischen Polizei und Landlosen

15. Februar 2002, 17:59
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Dutzende Verletzte

Rio de Janeiro - Mindestens 64 Menschen sind in Brasilien bei schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei sowie Land- und Obdachlosen verletzt worden. Das berichteten die Medien am Freitag unter Berufung auf die Behörden des größten südamerikanischen Landes. Demnach hatten am Vortag 150 Polizisten vergeblich ein von 2000 Menschen besetztes Gelände nahe der Provinzhauptstadt Belem im nördlichen Bundesstaat Para zu räumen versuchten.

Nach Angaben von Landlosen und Sprechern von Menschenrechtsgruppen setzte die Polizei unter anderem auch Schusswaffen ein. Ein Polizeisprecher sagte: "Wir haben höchstens in die Luft geschossen, aber unsere Gegner waren wie eine Miliz auf einen Krieg vorbereitet".

Die Polizei von Para kündigte einen neuen Versuch zur Räumung des Geländes an. "Wir lassen uns nur tot von hier wegtragen", meinte ein Sprecher der Landlosen. Auf dem besetzten Gelände leben seit sieben Monaten unter anderem auch Hunderte von Frauen und Kindern. Ein Reporter des Fernsehsenders Globonews berichtete, die Lage sei "sehr gespannt".

In dem Konflikt zwischen Landlosen und Sicherheitskräften sind, allein seit der Rückkehr Brasiliens zur Demokratie im Jahr 1985, mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen. Die "Bewegung der Landlosen" (MST) vertritt nach eigenen Angaben in ganz Brasilien vier Millionen Familien von Bauern ohne Land. Allein in Para haben nach Angaben des Instituts für Statistik IBGE 400 000 Familien kein Obdach. (APA/dpa)

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