Multiple Sklerose steht für verschiedene Krankheitsarten

15. Februar 2002, 22:21
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Gewebeschäden sehen unterschiedlich aus

Berlin - Seit Jahrzehnten rätseln Mediziner über Verlauf und Ursachen der Multiplen Sklerose (MS). Ein großer Schritt zum Verständnis dieser häufigsten neurologischen Erkrankung junger Erwachsener gelang jetzt dem Wissenschafter Wolfgang Brück von der Berliner Charite: Er konnte nachweisen, dass Multiple Sklerose vermutlich nur der Oberbegriff für verschiedene Krankheitsarten und daher auch auf sehr unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist.

Multiple Sklerose gilt bisher als Autoimmunerkrankung

Multiple Sklerose gilt bisher als Autoimmunerkrankung: Körpereigene Abwehrkräfte greifen die Umhüllung der Nerven im Gehirn und Rückenmark an und lösen Entzündungen aus. Meist in Schüben kommt es zu Bewegungsstörungen, Lähmungen, Sehschwächen und Depressionen. Eine Heilung der chronischen Krankheit, an der in Deutschland rund 120.000 Menschen leiden, gibt es bis jetzt noch nicht, wohl aber Medikamente, die den Verlauf verzögern und die Beschwerden mildern.

Unterschiedliches Aussehen

Brück konnte nun zeigen, dass die durch MS verursachten Gewebeschäden verschiedener Patienten unter dem Mikroskop ganz unterschiedlich aussehen. Die Experten fanden heraus, dass Immunreaktionen allein das Nervenleiden nicht erklären können, sondern nur für einen Teil der Erkrankungsfälle verantwortlich sind. In anderen Fällen beruhe die Zerstörung der Gehirnzellen auf Schäden oder Störungen im Zellstoffwechsel, die wiederum vermutlich auf Gendefekte zurückzuführen seien, erklärten die Forscher.

Die Experten versuchen nun, diese verschiedenen Untergruppen der Multiplen Sklerose genauer zu umreißen. Daraus könnten sich dann auch gezieltere Therapien ableiten lassen. Denn bereits jetzt sei bekannt, dass etwa Interferon als das bekannteste Mittel gegen MS nur bei etwa einem Drittel der Patienten wirksam sei und sich offenbar gegen die Autoimmunreaktionen richte. Bei den anderen MS-Varianten werde nun versucht, den Stoffwechsel der Gehirnzellen etwa mit Wachstumsfaktoren zu verändern.(APA)

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