Wien bemüht sich um Groß -Forschungseinrichtung "Austron"

18. Februar 2002, 10:46
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Bisher galt Seibersdorf als möglicher Standort

Wien - Das bereits über zehn Jahre dauernde Tauziehen um die Errichtung einer Großforschungseinrichtung in Österreich erhält eine neue Wendung. Jahrelang galt Seibersdorf als heißer Standort-Tipp für die Neutronen-Spallationsquelle Austron - sofern das Projekt überhaupt verwirklicht wird.

Bei einer Pressekonferenz am Freitag hat nun der Wiener Bürgermeister Michael Häupl heftiges Interesse bekundet, Austron nach Wien zu holen.

Bei Austron handelt es sich um eine so genannte Spallations-Neutronenquelle. Dabei werden Protonen - Wasserstoffkerne - auf hohe Energien beschleunigt und anschließend gegen ein Plättchen - Target - gelenkt. Beim Aufprall entstehen die gewünschten Neutronen, die dann etwa für Durchleuchtungszwecke eingesetzt werden können. Im Gegensatz zu Röntgenbildern können mittels Neutronen auch dynamische Vorgänge - beispielsweise in Molekülen oder Atomen - beobachtet werden.

Med-Austron kann ohne ausländische Beteiligung gebaut werden

Die beschleunigten Protonen können aber auch vor der Neutronenerzeugung abgezweigt und zur Therapie von Tumoren eingesetzt werden. Die Planungen zu Austron umfassen daher auch ein Teilprojekt, genannt "Med-Austron". Dabei soll ein weltweit einzigartiges Therapiezentrum entstehen. Die Proponenten versichern bereits öfters, Med-Austron auch ohne den großen Bruder Austron verwirklichen zu können. Im Gegensatz zur Großforschungsanlage könnte Med-Austron auch ohne ausländische Beteiligung gebaut werden.

Das Tauziehen um Austron dauert mittlerweile rund ein Jahrzehnt. Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung hat bei einer Sitzung im Vorjahr empfohlen, weitere Maßnahmen zur Realisierung des Projekts durchzuführen. Dazu zählen etwa Projektmanagement und konkrete Verhandlungen über ausländische Finanzierungsbeteiligungen. Die EU-Kommission bereit erklärt, zehn Prozent der veranschlagten Errichtungskosten von 340 Millionen Euro (4,7 Milliarden Schilling) zu übernehmen.(APA)

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