Winckler gegen Schaffung eigener Medizin-Unis

15. Februar 2002, 15:57
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Uni-Wien-Rektor: Widerspruch zu europäischer Entwicklung

Wien - Deutlich gegen die Schaffung eigener Medizinischer Universitäten spricht sich der Rektor der Universität Wien und Vorsitzende der Österreichischen Rektorenkonferenz (ÖRK), Georg Winckler, aus. Das Bildungsministerium sowie die Leitungen der drei medizinischen Fakultäten in Wien, Graz und Innsbruck trügen die "volle Verantwortung" dafür, dass eine Ausgliederung der Fakultäten zu erwarten sei, betonte der Uni-Wien-Rektor in einer Aussendung.

Die Schaffung eigener medizinischer Universitäten widerspreche der europäischen Entwicklung, argumentierte Winckler. Durch den Plan würden Lehre und Forschung insbesondere in den grundlegenden medizinisch-naturwissenschaftlichen Fächern geschwächt. Weiters würde sich eine Medizin-Uni eine eigene Reputation erst erarbeiten müssen und die seit 600 Jahren bestehende Tradition der Universität Wien als Volluniversität zerstört.

Mehrkosten in der Verwaltung

Winckler erwartet sich durch eigenständige Medizinische Universitäten Mehrkosten in der Verwaltung, bestehende Einheiten müssten zerrissen und neue aufgebaut werden. Außerdem wäre das gemeinsame Vermögen aufzuteilen. Die vom Ministerium als Vorgabe formulierte Kostenneutralität könne laut Winckler nicht gewahrt bleiben: "Das Ziel einer Universitätsreform sollten nicht steigende Kosten und die Vermehrung der Anzahl der Universitäten sein!"

Den geplanten "Koordinationsrat" sieht der Rektorenchef nicht als jenes gemeinsame "Dach", das er selbst als Kompromissvariante vorgeschlagen habe. In der vom Ministerium geplanten Form sei er überflüssig, da es ihm an jeglichen operativen Befugnissen und Finanzmitteln fehle. Weiterhin ungelöst sieht Winckler das "große Problem" der Beziehung der medizinischen Fächer zu den Krankenanstaltsträgern. Durch die Schaffung eigener medizinischer Unis würde dieses nur verlagert. Eine starke Stellung bei den Verhandlungen mit den Trägern könne den Fakultäten auch im Verband mit ihrer "Mutteruniversität" gegeben werden.

Kritik am Bildungsministerium

Kritik übte Winckler auch an der Verhandlungsführung des Bildungsministeriums. Alternative Vorschläge, die unter Wahrung der bisherigen Autonomie den Verbleib der medizinischen Fakultäten im Verband der "Mutteruniversitäten" ermöglicht hätte, wären weder aufgegriffen noch diskutiert worden. Entsprechende Pläne wären von Rektoren und anderen Stellen unterbreitet worden und auch rechtzeitig eingelangt.

Vor Winckler hatten sich bereits die Rektoren der Universitäten Graz und Innsbruck, Lothar Zechlin und Hans Moser, gegen eigene Medizin-Unis ausgesprochen. Dagegen plädieren die Dekane der drei Medizinischen Fakultäten ebenfalls geschlossen für eigenständige medizinische Universitäten. (APA)

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