Espana im Langlaufieber

15. Februar 2002, 15:36
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Juanito Mühlegg aus dem Allgäu bringt Spanier mit Ausnahme von Francisco Fernandez-Ochoa ins Schwärmen und wird auch über 50 Kilometer voll angreifen

Salt Lake City - Der spanische König Juan Carlos hat seine diesmaligen Glückwünsche für Johann Mühlegg mit einer Bitte verbunden. Der "King von Soldier Hollow" möge nun auch über 50 km Edelmetall gewinnen, forderte der Sport begeisterte Monarch seinen "Untertanen" auf. Mit seinem Gold-Double, erst dem dritten eines Spaniers nach den Seglern Luis Doreste (1984,1992) und Theresa Zabell (1992,1996) bei Olympia, sorgte der Allgäuer Mühlegg in seiner Wahl-Heimat für grenzenlose Euphorie.

Skifahren mit Aznar

Regierungschef Jose Maria Aznar verabredete sich mit Mühlegg für Ende Februar sogar zum gemeinsamen Skilaufen. "Die Ausrüstung bringe ich mit", versprach der Modell-Athlet mit deutschem und spanischem Pass. Die Tageszeitungen erschienen am Freitag mit Mühlegg-Bildern auf den Titelseiten und jubelten wie "As": "Mühlegg, der König. Er ist nicht einzuholen, denn er fliegt über den Schnee."

Fernandez-Ochoa wenig begeistert

Nur einer schloss sich dem allgemeinen Jubel nicht an: Francisco Fernandez-Ochoa, Slalom-Olympiasieger 1972 in Sapporo. Spaniens bisher einziger Olympiasieger bei Winterspielen zog über den "Söldner" her: "Überall höre ich nur Juanito, Juanito, aber das ist alles bloß Politik. Juanito kann mir den Buckel runter rutschen. Ich bewundere ihn, denn er ist ein großer Sportler. Aber er hat weniger spanisches Blut als ich japanisches. Der verbringt doch nicht einmal seinen Urlaub in Spanien."

Mühlegg bereit für den nächsten Angriff

Mühlegg liefert in Soldier Hollow sein Meisterstück ab. Der Skating-Spezialist kann inzwischen auch im klassischen Stil ganz vorne mitmischen, was ihn bei dem am vorletzten Olympia-Tag anstehenden Marathon zum Favoriten macht. "Die 50-km-Strecke kommt mir mit den schweren langen Anstiegen entgegen. Zudem komme ich mit der Höhenlage gut zurecht. Ich werde noch ein Mal angreifen", kündigte der 31-Jährige an.

Keine Rückkehr ins deutsche Team

Eine Rückkehr ins deutsche Lager schloss Mühlegg wiederholt aus. Einst hatte er Teammitglieder der spiritistischen Beeinflussung bezichtigt. "Schwarze Magie" hatte Mühlegg damals auch Cheftrainer Georg Zipfel vorgeworfen. Um davor geschützt zu sein, trank er nur Wasser, das zuvor durch seine "Gnade" geweiht worden war. "Gnade" nannte er die in Bayern lebende portugiesische Putzfrau Justina Agosthino. In Thunder Bay 1995 flog Mühlegg wegen der Anschuldigungen gegen die anderen Team-Mitglieder aus der deutschen WM-Mannschaft.

300 Tage im Jahr für den Langlauf

Inzwischen spricht der Betreiber einer Pension unterhalb der Zugspitze in Grainau nicht mehr vordergründig darüber. In seinem Tross bei Olympia ist die "Gnade" aber ebenso wie sein ihn managender Bruder Martin dabei. In den vergangenen Jahren ist es Mühlegg gelungen, sich weit intensiver um den Sport zu kümmern. Rund 300 Tage im Jahr ist er als Langläufer unterwegs. Dank seiner guten Konstitution verkraftet er ein Trainings-Pensum, an dem die meisten anderen Läufer zerbrechen würden. Und inzwischen hat er auch die passende Lauftechnik für seine unbändige Kraft gefunden.(APA/dpa)

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