"Frauen - Was nun?"

15. Februar 2002, 14:25
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"Literatur im März" mit Assia Djebar, Thomas Hettche, Christine Angot und Klaus Theweleit zum Status Quo der Frauenbewegung

Wien - Vor genau zwanzig Jahren beschäftigte sich das Literaturfestival "Literatur im März" mit "Macht und Ohnmacht der Frauen". Die diesjährige Ausgabe der Veranstaltung hakt nach und erörtert unter dem Motto "Frauen - Was nun?" (7. bis 10. 3.), wie sich die Situation der Frauen in diesen zwei Jahrzehnten geändert hat. Autorinnen und Autoren wie Assia Djebar, Thomas Hettche und Christine Angot sowie Theoretiker wie Klaus Theweleit und Isolde Charim beschäftigen sich damit, was Globalisierung, New Economy und Neue Medien für die Forderungen der Frauenbewegungen der 70er Jahre bedeuten - und ob sie diese gar redundant machen.

Die diesjährige Ausgabe des vom Kunstverein Wien Alte Schmiede veranstalteten Festivals findet in der Kunsthalle im MuseumsQuartier statt. Nach der Begrüßung (7. 3., 19 Uhr) durch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny wird mit Christina Thürmer-Rohr eine der Symbolfiguren der zweiten deutschen Frauenbewegung die kritische Bestandsaufnahme eröffnen. Die Russin Ljudmila Ulitzkaja und die vieldiskutierte französische Erfolgsautorin Christine Angot ("Inzest") bestreiten die Lesungen am Auftaktsabend, zwei Autorinnen, deren Herkunft und feministische Sozialisation "unterschiedlicher nicht sein könnten", wie es in der Ankündigung heißt. Mara Mattuschka bildet mit ihrer Performance "Es kann nicht mehr" den Abschluss.

Am Frauentag

Der Festivals-Freitag (8. 3.) fällt auf den internationalen Frauentag. Eine Gesprächsrunde mit unter anderem Ursula Pasterk, Johanna Rachinger und Eva Rossmann widmet sich zu dieser Gelegenheit dem Status quo der Frauenbewegung, bevor sich Klaus Theweleit zu seiner Lesung einfindet. Um lesbische Liebe dreht sich die Lesung von Antje R. Strubel, die polnische Literatin Olga Tocarczuk setzt sich mit der (weiblichen) Generationenfrage auseinander. Der Abend endet mit der von Bettina Haring konzipierten szenischen Lesung "Ich räume auf!" über Schriftstellerinnen in der Zwischenkriegszeit, mit Birgit Doll, Birgit Minichmayr und Bibiana Zeller.

Bei "Frauenwelten" (9. 3.) wird Barbara Frischmuth die Lesung der 2000 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichneten algerischen Schriftstellerin Assia Djebar einleiten. Weiters lesen unter anderem die Bachmann-Preisträgerin Emine Sevgi Özdamar und die junge britische Autorin Bernardine Evaristo. Ein Workshop zu "Frauen in der arabischen Welt", ein von der Wiener Philosophin Isolde Charim moderiertes Autorinnengespräch und die DJ-Line "female:pressure" bilden das weitere Programm.

"Geschlechterdifferenzen"

Zum Abschluss der diesjährigen "Literatur im März"-Ausgabe gibt es "Geschlechterdifferenzen". Ein Mord an einer jungen Frau (im Roman "Der Fall Arbogast" von Thomas Hettche) beschäftigt ebenso wie eine weibliche Serienmörderin (bei Thea Dorns "Die Hirnkönigin"), "Haus, Frauen, Sex." von Margit Schreiner und "Der Übergriff" von Ursula Krechel. Abgerundet wird der Abend mit dem "Phänomen Mann", einer Gesprächsrunde von Sozialwissenschaftern und einem Männerforscher (Leitung: Klaus Nüchtern).

Mit Ausnahme des ersten Abends werden die "Literatur im März"-Veranstaltungen durch ein Film- und Videoprogramm mit Beiträgen von unter anderem Valie Export, Nina Kusturica und Miriam Bajtala ergänzt. (APA)

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