Wirbel im Prado

15. Februar 2002, 14:03
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15 Goyas sollen nach Washington ausgeliehen werden - Fachleute empören sich: "Diese Bilder sind heilig und dürfen auf keinen Fall transportiert werden"

Madrid - Auf heftige Kritik von Fachleuten ist die Absicht des Madrider Prado-Museums gestoßen, 15 Gemälde des spanischen Meisters Francisco Goya (1746-1828) an die Nationalgalerie in Washington auszuleihen. "Diese Bilder sind heilig und dürfen auf keinen Fall transportiert werden", sagte die Kunstexpertin Isadora Rose nach Presseberichten vom Freitag. Die Gefahr, dass die Werke beschädigt würden, sei zu groß.

Zu den Gemälden, die in die USA gebracht werden sollen, zählen auch die "angezogene" und die "Nackte Maja", als die Goya die junge Herzogin von Alba dargestellt"haben soll. Allein diese beiden Meisterwerke sind für 120 Millionen Euro (1,65 Mrd. S) versichert worden.

Der neue Prado-Chef Miguel Zugaza wies die Kritik zurück. Es handele sich bei der Leihgabe um eine Ausnahme. Zudem müsse ein vor seiner Zeit unterzeichnetes Austauschabkommen eingehalten werden. Für die Ausstellung "Goya und das Bild der Frau", die bislang in Madrid zu sehen war und vom 2. März an in der amerikanischen Hauptstadt gezeigt werden soll, hatte das Washingtoner Museum dem Prado fünf Goya-Werke aus seiner Sammlung überlassen.

Nach Ansicht von Isadora Rose, die als eine der führenden Goya-Expertinnen gilt, dürfte es solche Abmachungen nicht geben. Sie erinnerte daran, dass die "Majas" das Prado-Museum in den vergangenen 50 Jahren nur drei Mal verlassen haben, um in London, Japan und St. Petersburg ausgestellt zu werden. "Bei der Vorstellung, dass diese Bilder im Laderaum eines Flugzeuges verschwinden, schaudert es mich", sagte die Expertin. (APA/dpa)

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