Neues Gerät soll Alltag von Lungenhochdruck-Patienten vereinfachen

15. Februar 2002, 13:27
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Rasche und vor allem "unblutige Datenüberwachung

Graz - Ein neues Gerät, das den Alltag von Lungenhochdruck-Patienten vereinfacht und die Überlebenschancen erhöht, steht - weltweit einzigartig - der Grazer Medizinischen Universitätsklinik zur Verfügung. Mit dem in den Körper eingesetzten Gerät können die kontinuierlich erhobenen Messdaten zur Überprüfung des Therapieerfolges wie bei einer Herzschrittmacher-Kontrolle schmerzlos über die Haut abgefragt und online angezeigt werden.

Daten rasch und vor allem "unblutig"

Das neuartige Gerät, das am Universitätsklinikum getestet wird, erleichtert dem Patienten nicht nur die Untersuchungssituation, weil die Daten rasch und vor allem "unblutig" erhoben werden können. "Es ermöglicht vor allen Dingen die permanente Messung des Lungendruckes", betonte der Grazer Kardiologe Friedrich Fruhwald im Gespräch mit der APA. So biete die erste Untersuchungsreihe schon "ermutigende Ergebnisse", dass damit die durchschnittliche Lebenserwartung von nur drei Jahren deutlich angehoben werden kann. Durch die erstmals kontinuierliche Datenerfassung von bis zu drei Monaten konnte nun nämlich auch gezeigt werden, wie sich der pulmonale Hypertonus im Alltag des Patienten, das heißt außerhalb des Katheterlabors, verhält. Die vollkommen neuen Einblicke haben den Grazer Mediziner auch gezeigt, "wo Handlungsbedarf von Seiten der Therapie besteht".

Messwerte können schmerzlos über die Haut abgefragt werden

Das Gerät, das so genannte Chronicle TM, wird ähnlich einem Herzschrittmacher in den Körper eingesetzt wobei die Druckmesssonde im rechten Winkel auf die Kammerscheidewand verankert wird. "Das ist wichtig, weil nur so verhindert werden kann, dass der Druckmess-Sensor Kontakt mit dem Herzmuskel hat, was zu Störsignalen führen würde", erklärte der Mediziner. Die vom Gerät gespeicherten Messwerte können bei der Kontrolle in der Ambulanz schmerzlos über die Haut abgefragt und zeitgleich am PC gezeigt werden.

Der Lungenhochdruck, die pulmonale Hypertonie, ist eine seltene Erkrankung, bei der die Lunge und das Herz betroffen sind. "Die Blutgefäße der Lunge sind verengt, wodurch der Blutdruck in den Lungengefäßen zwischen rechter und linker Herzkammer ansteigt. Dies führt zu einer Durchblutungsstörung der Lunge, zu einer verschlechterten Sauerstoffaufnahme und zu einer zunehmenden Überlastung der rechten Herzkammer bis hin zum Herzversagen", so Fruhwald. "Die durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnose betrug bisher weniger als drei Jahre", so der Mediziner.

Alternativ bot sich bisher nur der Ultraschall

Die Medikamente, die den Lungenhochdruck senken können - entweder über Dauerinfusion von Prostazyklin oder per Inhaltationstherapie -, stellten die Mediziner und Patienten bisher vor ein Problem: Die Messung ist umständlich und für den Patienten unangenehm und gibt weitgehend nur einen "Schnappschuss" der körperlichen Konstitution wieder. Am gängigsten war bisher die Herzkatheter-Untersuchung, die für den Patienten einen blutigen Eingriff darstellt und durch die über mehrere Stunden dauernde Messung auch psychisch belastend ist. Alternativ bot sich bisher nur noch Ultraschall (Echokardiographie)an: Hier muss zwar kein Katheter in den Lungenkreislauf eingebracht werden, dafür ist die Methode aber nur bei fortgeschrittenen Fällen wirklich genau, so Fruhmann.(APA)

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