Mutter-Kind-Pass-Untersuchung ausgeweitet

15. Februar 2002, 13:16
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Mit Schul-Einstiegsuntersuchung wurde Versorgungslücke geschlossen

Wien - Wichtige Neuerung beim Mutter-Kind-Pass: Seit Anfang dieses Jahres gibt es für die Vier- bis Fünfjährigen eine zusätzliche kostenlose Untersuchung. Speziell soll dabei auf die Schulreife Wert gelegt werden. Die Tests sollen beim Arzt unter Verwendung standardisierter Fragebogen erfolgen.

Lücke zwischen dem 3. Lebensjahr dem Schulalter geschlossen

"Es ist ein ganz wichtiger Schritt gelungen. Es wird endlich die Lücke zwischen dem 3. Lebensjahr und dem Eintritt in das Schulalter (bei den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen, Anm.) geschlossen. Das ist ein Meilenstein in der österreichischen Gesundheitspolitik", erklärte Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (F) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Unvi.-Prof. Dr. Radvan Urbanek, Leiter der Arbeitsgruppe Mutter-Kind-Pass der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde: "Wir haben alle gesagt: 'Mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens'. Vom ersten Tag an müssen die Kinder täglich drei bis fünf Stunden am Stück durchhalten." Entwicklungspsychologische und echte medizinische Probleme würden dann aber oft erst zu spät entdeckt bzw. durch psychosomatische Störungen "kaschiert".

Behandlung von Entwicklungsstörungen

Der Experte: "Wir wissen, dass etwa zehn Prozent der Kinder bestimmte Leiden aufweisen." Das können auch ganz banale Seh- und Hörschwächen, Zahnfehlstellungen, chronische Erkrankungen oder Teilleistungsstörungen, die sich bei rechtzeitiger Diagnose noch vor dem ersten Schultag korrigieren, mindern oder heilen ließen. Der Linzer Kinderarzt Dr. Wilhelm Sedlak: "Es gibt Daten aus US-Studien, wonach eine Behandlung von Entwicklungsstörungen noch im Kindergarten- und Vorschulalter diese zu 70 bis 80 Prozent bessern oder ausheilen kann."

Testbogen über die kognitiven Fähigkeiten

Die Fachleute von der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde haben deshalb ein Screening entwickelt, das in Zukunft für die Vorschulkinder zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr beim Arzt standardisiert ablaufen soll. Ein Testbogen soll Auskunft über die kognitiven Fähigkeiten (Erkennen, Gedächtnis, Sprache) geben. Die Eltern sollen Auskunft über die motorischen Fähigkeiten geben. Ein zweiter Fragebogen dient der psychosozialen Testung (Verhaltensweisen, Konzentration etc.).

Laut Waneck beträgt der zusätzliche Aufwand für diese Ausweitung der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen 2,5 bis drei Millionen Euro bei voller Teilnahme aller Kinder in dem entsprechenden Alter. Das wären pro Jahrgang derzeit rund 77.000 Untersuchungen.

Wenn man annimmt, dass bei rund zehn Prozent der Kinder Probleme vorliegen könnten, wären das immerhin jährlich zwischen 7.000 und 8.000 Betroffene, die früher als bisher einer entsprechenden Betreuung zugeführt werden könnten. Die österreichischen Ärzte haben im Ausgleich für das erweiterte Untersuchungsprogramm auf eine Erhöhung der Honorare für die Mutter-Kind-Pass-Untersuchung verzichtet.(APA)

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