Festspielhaus St. Pölten bereitet sich auf Jubiläum vor

15. Februar 2002, 13:01
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... und Mahlers "Auferstehungssymphonie" spielt dazu - künstlerische Leitung ging von Wunderer auf Birkmeyer über

St. Pölten- Das Festspielhaus St. Pölten feiert seinen fünften Geburtstag seit der Eröffnung des vom Grazer Architekten Klaus Kada konzipierten Hauses am 1. März 1997. Das Bauwerk gilt als der größte Kulturbau, der im vergangenen Jahrhundert im Land unter der Enns realisiert wurde.

Reminiszenz

Erstmals "Vorhang auf - Bühne frei" hieß es mit Gustav Mahlers "Auferstehungssymphonie" (Symphonie Nr. 2 c-moll), die damals vom NÖ Tonkünstlerorchester (n.t.o.) unter dem langjährigen Chefdirigenten Fabio Luisi zu Gehör gebracht wurde. Dieses Werk wird das n.t.o. - unter der Leitung von Carlos Kalmar - nun beim Festkonzert am 8. März (19.30 Uhr) erneut spielen. Die hochkarätige Besetzung mit den Solistinnen Anja Harteros (Sopran) und Doris Soffel (Alt) sowie dem Wiener Singverein verspricht ein musikalisches Ereignis zu werden.

Fünf Jahre Festspielhaus sind neben dem Festkonzert auch Anlass, die Pforten für einen "Tag der offenen Tür" zu öffnen, bei dem die unterschiedlichsten Genres Akzente für die internationale Vielfältigkeit des Hauses setzen sollen: Am Samstag, dem 9. März, wird ab 15.00 Uhr Zirkus, Tanz, Musik und Kinderprogramm geboten. Angesagt ist der Cirkus Cirkör aus Schweden, der eine magische Mixtur von Akrobatik, Tanz und Körperbeherrschung liefert. Die Vagabond Crew aus Frankreich, die erstmals in Österreich gastiert, ist eine Gruppe, die laut Ankündigung des Festspielhauses "die wahren Werte des Hip-Hop lebt".

Freunde der Schrammelmusik und des Blues kommen bei Roland Neuwirth auf ihre Rechnung, "Triology" nennen sich drei klassisch ausgebildete Streicher aus Österreich, die eine neue Form virtuoser Kammermusik präsentieren. Für Stimmung sorgt auch der israelische Videokünstler und DJ Vee Jay Subo aus Israel mit seinem deutschen Partner Uri Frost. Zur Unterhaltung der Kids singt Irina Tchornaia russische Lieder und amerikanische Folksongs. Tanzen, Jonglieren, Schminken usw. rundet das Programm für die jungen Besucher ab. Am "Tag der offenen Tür" ist - neben freiem Eintritt ins Festspielhaus - das Parken in der Garage gratis.

Birkmeyer übernahm Leitung von Wunderer

Das Festspielhaus hat seit Jahresbeginn einen neuen Intendanten. Michael Birkmeyer, langjähriger Solotänzer und Leiter der Ballettschule der Wiener Staatsoper, löste die bisherige künstlerische Leiterin Mimi Wunderer-Gosch ab, die sich nun verstärkt "ihrer" 1990 eröffneten "Bühne im Hof" widmet.

Mit den von Wunderer gesetzten Schwerpunkten Tanz, zeitgenössisches Musiktheater und Kulturaustausch hat sich das Haus in den fünf Jahren seines Bestehens einen Namen gemacht. Mit Eigen- und Koproduktionen - vor allem mit Bob Wilsons "Scourge of Hyacinths" und der Oper "Satyagraha" von Philip Glass mit dem n.t.o. und in der Ausstattung von Hermann Nitsch - wurden wichtige Akzente gesetzt, weiters wurden internationale Tanzensembles präsentiert. Für seine Ära kündigte Birkmeyer neben der Gründung einer Dance-Company an, Bewährtes durch weitere Schwerpunkte zu ergänzen. Das Programm wird Tanz, Konzerte und Musiktheater, internationale Bühnenproduktionen - von traditionell bis cross-over - sowie Lesungen und Künstlergespräche umfassen.

Der Große Saal ist für 1.079 Besucher ausgelegt. Seine Konzeption schafft ideale Voraussetzungen für Tanz, Konzerte, Musik und Sprechtheater. Der Eiserne Vorhang wurde von der Künstlerin Eva Schlegel gestaltet. Der Haydn Saal, der 220 Personen Platz bietet, wird für Kammermusik, Lesungen und Theateraufführungen genutzt. Als Probebühne, für Vorträge und kleine Empfänge stehen der Schönberg- und der Sternensaal zur Verfügung.

Seinerzeit

Der Baubeginn für das Festspielhaus erfolgte am 15. Juli 1994, die Gleichenfeier fand im November 1995 statt. Die veranschlagten Kosten betrugen 30,5 Mill. Euro (420 Mill. S) und beliefen sich nach damaligen Angaben der NÖ Landeshauptstadt Planungsgesellschaft (NÖPLAN) letztlich auf 33,1 Mill. Euro (26,5 Mill. Euro für den Bau und 6,54 Mill. Euro für Einrichtung und Bühnentechnik, Anm.). Große Aufregung gab es eineinhalb Monate vor der Eröffnung: Dichte Rauchwolken umhüllten das Festspielhaus. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot aus. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass in einem unterirdischen Trafo-Raum ein Kabelbrand ausgebrochen, aber von selbst wieder erloschen war. Der entstandene Schaden blieb glücklicherweise gering. (APA)

Mahlers "Auferstehungssymphonie" mit dem n.t.o.:
8. März, 19.30 Uhr, Festspielhaus St. Pölten, Franz Schubert-Platz 2

"Tag der offenen Tür": 9. März, ab 15.00 Uhr; Informationen unter Tel. 02742 / 90 80 80 - 0 oder auf der Webseite
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