"Preis für's Kinderkriegen zahlen Frauen"

15. Februar 2002, 11:40
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"Kinderfreunde" sehen Beruf und Familie nach wie vor unvereinbar

Wien - Erstmals wurden in Österreich weniger als 75.000 Geburten verzeichnet. Die Kinderfreunde Österreichs sehen die Ursache in ungenügend ausgebauter öffentlicher Infrastruktur für Kinderbetreuung. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei entscheidend, so die Familiensprecherin der Kinderfreunde Gabriele Binder. Sie machte darauf aufmerksam, dass nach wie vor 100.000 Kinderbetreuungsplätze fehlen. Das Kindergeld ändere an diesem Defizit nichts.

Erschwerter Wiedereinstieg

Die Kinderfreunde weisen darauf hin, dass mit dem Kindergeld die Berufsunterbrechung von Frauen tendenziell verlängert werde, damit werde auch der Wiedereinstieg erschwert. Dazu komme, dass es seitens der Regierung keine Unterstützung beim Wiedereinstieg gebe. "Unter diesen Voraussetzungen Kinder zu bekommen, erfordert einen hohen Preis, den die Frauen zu zahlen haben", zeigt sich Binder besorgt.

"Unsere Studien haben deutlich gezeigt, Eltern wollen an erster Stelle Zeit für ihre Kinder, dann eine qualitätsvolle Kinderbetreuung und erst an dritter Stelle Geldmittel", so Binder. Sie hält es für erwiesen, dass der Rückgang der Geburtenrate deshalb erfolgt, "weil es jungen Paaren immer schwieriger gemacht wird, eine Familie zu gründen".

Der Ausweg liegt laut Binder in einer "familienunterstützenden Politik", die folgenden Punkte beinhalten müsste: Errichtung der fehlenden 100.000 Kinderbetreuungsplätze, eine flexible Karenzlösung für beide Eltern und ein gehaltsabhängiges Karenzgeld für beide Eltern. (red)

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