Drittes Brustkrebs-Gen entdeckt

15. Februar 2002, 10:35
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Mehr als die Hälfte der Frauen mit Gen-ATM-Mutation entwickeln Tumor

Hannover - Ein internationales WissenschafterInnen-Team hat ein drittes Gen entdeckt, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs spielt. Aus diesem Forschungserfolg könnten sich neue Therapieansätze entwickeln lassen, wie die Medizinische Hochschule Hannover berichtet, die an der Studie beteiligt war.

Häufigster Tumor bei Frauen

Brustkrebs ist das häufigste Tumorleiden von Frauen in den Industriestaaten. Jede zehnte Frau in Deutschland ist im Laufe ihres Lebens davon betroffen, jedes Jahr erkranken 46.000 neu, 19.000 sterben im gleichen Zeitraum daran.

In manchen Familien tritt Brustkrebs häufiger auf als in anderen. Daher lag die Vermutung nahe, dass veränderte Gene die Ursache sind. Seit einigen Jahren kennen WissenschaftlerInnen bereits die Gene BRCA1 und BRCA2, die in mutierter Form Brustkrebs auslösen können. Allerdings ließen sich damit nicht alle familiären Häufungen des Tumors erklären.

ATM-Gen verantwortlich

Jetzt entdeckten die ForscherInnen um die Australierin Georgia Chenevix-Trench vom Royal Brisbane Hospital in Sydney, dass bei bis zu 20 Prozent aller Patientinnen mit einer Häufung von Brustkrebs in der Familie auch das Gen ATM verändert ist. Mehr als die Hälfte der Frauen mit einer entsprechenden Mutation entwickeln den Experten zufolge vor dem 70. Lebensjahr ein Mammakarzinom.

ATM war den ForscherInnen nicht unbekannt: Wenn es intakt ist, repariert es Chromosomenbrüche, die auch durch Strahlung ausgelöst werden können. Liegen Mutationen auf beiden Kopien des ATM-Gens vor - eine Kopie stammt von der Mutter, eine vom Vater -, entsteht ein so genanntes Strahlensensibilitäts-Syndrom. Ist nur eine Kopie des ATM-Gens betroffen, haben die Frauen eine Veranlagung zu Brustkrebs. In den betroffenen Familien besteht im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung ein rund 15-fach höheres Risiko.

Hoffnung Strahlentherapie

Ein möglicher Ansatz für künftige Therapien: Körperzellen mit einem mutierten ATM-Gen können - anders als bei der intakten Form - Strahlenschäden nicht reparieren, der Tumor lässt sich also durch Röntgenstrahlen besser angreifen. Die WissenschaftlerInnen erhoffen sich deshalb eine hohe Erfolgsrate durch eine Strahlentherapie. Die Ergebnisse haben eine besondere Bedeutung für Deutschland, weil hier etwa jede 150. Frau Trägerin des veränderten Gens ist. An der Medizinischen Hochschule Hannover soll nun der Zusammenhang zwischen ATM-Mutation, Strahlensensibilität und Brustkrebs weiter aufgeklärt werden. (APA/AP)

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