Österreichisches Frauenforum Feministische Theologie empört

15. Februar 2002, 10:45
9 Postings

Reduzierung der Debatte auf Gültigkeit und Erlaubtheit sei "grober Fehler"

Als "historische Notwendigkeit" und "Gebot der Stunde" bezeichnet die Sprecherin des Österreichischen Frauenforums Feministische Theologie, Maria Katharina Moser, den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und ortet gleichzeitig hohen Reformbedarf im Amtsverständnis der römisch-katholischen Kirchenleitung.

"Es ist ein grober Fehler, die Debatten, die sich anlässlich der Weihepläne einer Gruppe von Frauen entzündet haben, auf die Frage nach Gültigkeit und Erlaubtheit dieser Weihe und nach kirchenrechtlichen Sanktionen für die Frauen zu reduzieren," meint Moser. Vielmehr ginge es darum kirchlichen Strukturen und Ämter neu zu definieren und Kirche gemäß biblischem Auftrag als "Nachfolgegemeinschaft von Gleichgestellten" zu leben.

Eine lange Tradition

Moser verweist darauf, dass TheologInnen schon vor Jahrzehnten aufgezeigt haben, dass es keine theologischen Gründe gegen die Zulassung von Frauen zu Priesteramt und Weihe gäbe. Dies zeige auch die Praxis eines Großteils der christlichen Kirchen, die Frauen zu Ämtern zulassen und dies selbstverständlich auch theologisch begründen. Ihre theologische und seelsorgliche Kompetenz hätten Frauen als Gemeindeleiterinnen, Pastoralassistentinnen, Krankenhausseelsorgerinnen, Leiterinnen von Frauenliturgien, Mitarbeiterinnen in der Diakonie etc. ohnehin seit Jahren hinlänglich bewiesen. "Den Dienst der Frauen in all diesen Bereichen gerne anzunehmen und auch zu loben, ihnen aber eine gleichberechtigte Position in der Kirche und damit den Zugang zu Entscheidungsmöglichkeiten zu verweigern, ist frauenfeindlich und unethisch," so Moser, "mit einer derartigen Haltung verliert die römisch-katholische Kirchenleitung endgültig jegliche Glaubwürdigkeit."

Kirchenamt im Wandel der Zeit

Mit Blick in die Kirchengeschichte meint Moser: "Das Amt in der Kirche war nicht von Anfang an in der Form, in der wir es heute kennen, gegeben. Es hat sich entsprechend der jeweiligen Notwendigkeiten und Umständen der Zeit historisch entwickelt. Um den Geist des Evangeliums weiterzutragen, muss sich das Amt weiterentwickeln, neuen historischen Situationen stellen. Demokratie und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Frauen können auch das Amtsverständnis in der katholischen Kirche nicht unberührt lassen. Die Herausforderung liegt heute darin, sich von einer klerikal-absolutistischen kirchlichen Machtpolitik zu verabschieden und Modelle zu entwickeln, in denen Kirche als Gemeinschaft unter möglichst breiter Beteiligung vieler Frauen und Männer gestaltet wird." (red)

Share if you care.