Strategien gegen unentdeckte Geschlechtskrankheiten

15. Februar 2002, 09:54
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Zahlreiche Folgeschäden wegen unbehandelter Infektionen

Baltimore - Forscher fordern Strategien für eine bessere Früherkennung und Behandlung, da chronisch unbehandelte Infektionen zu Folgeschäden wie Unfruchtbarkeit und Bauchhöhlen-Schwangerschaften führen können. Chlamydien- und Gonokokken-Infektionen, Auslöser für Harnwegsentzündungen, Tripper und andere Geschlechtskrankheiten, bleiben erschreckend oft unerkannt und somit unbehandelt.

Tripper immer noch häufig nicht erkannt

Das Team um Charles Turner vom Washingtoner Research Triangle Institute interviewte 728 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Von 579 Befragten wurden zusätzlich Urinproben genommen, die die Forscher mit einer hochsensiblen Methode auf Chlamydien- und Gonokokken-Erbgut untersuchten. "In rund fünf Prozent der Proben fand sich das Erbgut von Gonokokken, bei Chlamydien lag der Anteil bei drei Prozent", schreiben die Autoren. Gonokokken (in der Fachsprache Neisseria gonorrhoeae) sind die Erreger der Gonorrhoe, besser bekannt als Tripper, der weltweit die häufigste Geschlechtskrankheit ist. Ein Großteil der Probanden habe sich keiner Behandlung unterzogen und kaum ein Infizierter berichtete über entsprechende Symptome, so die Forscher.

Diagnostizierte Infektionen übertrifft deutlich die behandelten Fälle

Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung bedeutet dies, dass jeder zwölfte Einwohner in dieser Altersgruppe mit Chlamydien oder Gonokokken-Bakterien infiziert ist. "Damit übertrifft die Zahl der jährlich nicht diagnostizierten Infektionen deutlich die der behandelten Fälle", so Turner. Die Forscher schlagen zur Reduktion der Häufigkeit der Erreger in der Bevölkerung Reihenuntersuchungen und Routinetests vor. Diese könnten in Praxen und Kliniken einfach durchgeführt werden. Die Untersuchungen sollten auch jene Personen einschließen, bei denen ein geringes Infektionsrisiko besteht. Bei den Screenings gelte es auch Teenager zu berücksichtigen, da sie sich bei ihren Eltern anstecken und auch ihre Infektionen auf diese übertragen könnten.

Studie wurde im Journal of the American Medical Association
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