Gegner von neuem Gouverneur in Afghanistan drohen mit Kämpfen

14. Februar 2002, 21:41
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Kabul erwägt Einrichtung eines speziellen Presse-Gerichtshofes

Kabul - In der ostafghanischen Provinz Paktia drohen neue Gefechte zwischen rivalisierenden Kriegsherren. Anhänger des abgesetzten Gouverneurs Padscha Khan kündigten am Donnerstag in der Provinzhauptstadt Gardes an, Khans Nachfolger Tadsch Mohammed Wardak gewaltsam zu vertreiben. Dieser war zuvor von Interims-Regierungschef Hamid Karsai ernannt worden. Tausende Anhänger von Wardak aus Gardes und aus umliegenden Dörfern begrüßten die Ernennung des neuen Gouverneurs. Unterdessen gab die US-Armee bekannt, dass zwei ihrer Soldaten bei einem Angriff auf eine US-Militärbasis im südafghanischen Kandahar durch Schüsse verletzt worden seien.

Karsai hatte Khan im Januar zum Gouverneur von Paktia ernannt. Nachdem Khan gewaltsam die Kontrolle über die Stadt Gardes rund hundert Kilometer südlich von Kabul erlangen wollte, hatte Karsai ihm seine Unterstützung entzogen. Khans Truppen hatten sich zweitägige Gefechte mit Kämpfern des einheimischen Clanchefs Saif Ullah geliefert, der Gardes nach dem Abzug der Taliban Ende vergangenen Jahres besetzt hatte. Nach der schweren Niederlage drohten Khans Truppen nun mit Revanche. "Wir warten nur auf den Befehl von Padscha Khan", sagte Truppenkommandeur Gellani Khan Sadran, der nach eigenen Angaben über 6000 bis 7000 Mann verfügt. "Wir haben Maschinengewehre, Steine und schwere Waffen", drohte er.

Journalisten müssen islamische Werte achten

Wardak rief die Bevölkerung zum Wiederaufbau der Provinz Paktia auf. In Anspielung auf seine Gegner sagte er: "Wenn irgendjemand etwas Illegales macht, werden wir antworten." Der über 60-Jährige, der zeitweise in den USA gelebt hatte, war bereits unter dem früheren König Mohammed Zahir Schah Gouverneur der nordafghanischen Provinz Badachschan gewesen. Er sei aus den USA zurückgekehrt, um den Aufbau seines Landes zu verfolgen. Clanchef Ullah rief die Menge zur Unterstützung des neuen Verwalters auf. Auch der Armeechef von Gardes sicherte Wardak seine Unterstützung zu. "Niemand hier will Padscha Khan haben", sagte er. Dieser sei wild, dumm und habe keine Moral.

Die afghanische Übergangsregierung erwägt indes die Einrichtung eines speziellen Presse-Gerichtshofs. Dieser könne beispielsweise bei Diffamierungen oder falschen Anschuldigungen eingeschaltet werden, sagte der Minister für Information und Kultur, Syed Mahdum Raheen, am Donnerstag in Kabul. Journalisten sollten zwar "objektiv und kritisch" berichten, sie müssten aber die islamischen Werte berücksichtigen. Ein solches Spezial-Gericht diene auch dem Schutz von Journalisten, die in keinem Fall Kriminellen gleichgestellt werden dürften, sagte Raheen weiter.

In der vergangenen Woche hatte die afghanische Regierung ein neues Mediengesetz verabschiedet. Damit wurden zum ersten Mal in der Geschichte des Landes private Rundfunk- und Fernsehsender erlaubt. Inhaltliche Beschränkungen sind nach Regierungsangaben nicht vorgesehen, solange die Gesetze und die Sicherheit des Landes beachtet werden. Bisher waren in Afghanistan nur Zeitungen in privater Hand. (APA)

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    Ein kampfbereiter Anhänger des ehemaligen Gouverneurs Khan

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