Verschrobener Pop von Spinnern für Spinner

14. Februar 2002, 22:06
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Chocolat Genius, "Godmusic": Pseudonym und Albumtitel beweisen - Marc Anthony Thompson hat mit seinem Ego keine gröberen Probleme

Der selbsternannte New Yorker "Renaissancemensch" Marc Anthony Thompson hat, wie man anhand seines Künstlerpseudonyms und dem Albumtitel sehen kann, mit Mangelerscheinungen bezüglich Ego keine gröberen Probleme. Dankenswerterweise hat der Musiker, Performer, Journalist, Reality-TV-Star, Talkshow-Gastgeber und Soundtrackkomponist aber die richtigen Freunde. Die beiden Ausnahmegitarristen Marc Ribot und Chris Whitley sind hier ebenso mit von der Partie wie Neujazz-Star Chris Wood. Und als ehemaliger Straßenmusiker weiß Thompson selbstverständlich auch mit Grundproblemen wie schlüssigem Songaufbau und Dynamik entsprechend umzugehen.

Gut abgehangenes Songwritertum im Bannkreis Hanf und Hängematte

Stilistisch hört man eher ruhig und melancholisch gehaltene Lieder zwischen zu enghosigem New York-Rock, gut abgehangenem Songwritertum im Bannkreis Hanf und Hängematte und sanftem HipHop-und Funk-Gegroove. Das Ganze erinnert stellenweise an die beste Phase des kalifornischen Folk-Soulers Ben Harper, bevor dieser dem Schweinerock erlag. Eine klassische Chill-out-Platte. Wenn ich das nächste Mal ganz lang aufbleibe, probiere ich Godmusic mal um drei Uhr früh. Sollte passen.
(Schachinger im RONDO, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.02. 2002)

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