Wien: Strom wird für alle billiger

14. Februar 2002, 21:05
posten

Senkung der Netzgebühren beschert auch Kleinkunden ab April niedrigere Rechnung

Wien - Frohe Kunde für die Wiener Haushalte: Am 1. April wird Strom für alle billiger. Bis jetzt musste der Löwenanteil der Haushalte in der Bundeshauptstadt zwischen 60 und 100 Schilling (4,36 bis 7,27 Euro) pro Jahr mehr zahlen als vor der Liberalisierung. Gründe dafür waren der Zuschlag für die Kraftwärmekopplung (KWK), der im November des Vorjahres eingeführt wurde, sowie die Tarifreform im Herbst 1999. "Mit der anstehenden Senkung der Netzgebühren wird niemand mehr zahlen als vor der Tarifreform", versichert Wienstrom-Geschäftsführer Helmut Kastl. Um wie viel sich die Durchleitung verbilligt, ließ sich Kastl nicht entlocken: Darüber verhandle man noch mit dem Stromregulator.

Von der durch den KWK-Zuschlag von 0,74 Cent je Kilowattstunde (kWH) ausgelösten Verteuerung betroffen waren Kunden, die weniger als 6200 Kilowattstunden im Jahr beziehen. Das ist der Löwenanteil aller Haushalte. In Wien gibt es wegen der großen Zahl von Singles und Pensionisten überdurchschnittlich viele Kleinkunden.

Dazu kommen die zahlreichen Zweitwohnungen. Profiteure der Tarifreform des Jahres 1999 waren dagegen größere Abnehmer. In der Bundeshauptstadt verbrauchen rund 45.000 Haushalte über 6200 kWh, das sind zwischen vier und fünf Prozent aller Kunden.

KWK nicht überhöht

Kastl wies erneut Vorwürfe zurück, der KWK-Zuschlag sei überhöht. Wienstrom habe jene Kraftwerke, die Strom und gleichzeitig Fernwärme erzeugen, so weit heruntergefahren, dass es gerade für die Belieferung der Fernwärmekunden reiche. Dafür ist eine Erzeugung von 3500 Gigawattstunden erforderlich. Ohne den Zuschlag würde sich die Stromerzeugung nicht rechnen, dann würden aber Tausende Kunden in der Kälte sitzen. Aussagen des Regulator, dass der KWK-Zuschlag deutlich überhöht ist, will Wienstrom nicht auf sich sitzen lassen. Die Höhe sei nämlich durch vier Gutachten gedeckt, sagt Kastl.

Ein anderes Gutachten des Energieexperten Bernhard Raschauer untermauere die Ansicht, dass die Wienstrom-Kunden in Niederösterreich (rund 260.000) ebenfalls die KWK-Abgabe berappen müssen. Das Gutachten von Verfassungsrechtler Heinz Mayer, demzufolge die Wiener Umlandkunden den Zuschlag zu Unrecht berappten, entspreche nicht der elektrischen Realität.

Wienstrom als Verteilernetzbetreiber sei gesetzlich verpflichtet, jenen Strom abzunehmen, den die KWK-Anlagen in ihrem Versorgungsgebiet produzieren, andererseits sei dieser Zuschlag laut dem Stromgesetz Elwog von allen Endverbrauchern im Gebiet dieses Netzbetreibers zu entrichten, argumentiert Kastl. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD Print-Ausgabe 15.2.2002)

Share if you care.