Erwärmung der antarktischen Gewässer gemessen

14. Februar 2002, 20:02
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In Tiefen zwischen 700 und 1.000 Metern ist der Temperaturanstieg steiler als an der Oberfläche

Washington/New Haven/La Jolla - Die Bedrohung der Korallenriffe hat derartige Ausmaße angenommen, dass Forscher erstmals davor warnen, durch menschliche Aktivitäten könnten Arten auch in den Meeren ausgerottet werden. Bisher hatte man das für unmöglich gehalten in der Annahme, die Arten seien weit verteilt und verkrafteten den Verlust eines Habitats.

Aber nun haben Forscher der Uni Harvard zehn Korallenregionen, die als hoch gefährdet bekannt sind, inventarisiert. Dabei zeigte sich, dass viele Lebensformen nur in je einer Region vorkommen ("endemisch") und mit ihr verschwinden würden: Über die Hälfte der Hummer, ein Drittel der Schnecken, ein Viertel der Fische und auch viele Korallen selbst.

Die Forscher empfehlen verbesserten Schutz der hoch gefährdeten Zonen vor vielfältiger anthropogener Bedrohung. Die reicht von regionalen Verschmutzungen durch Rodungen - sie bringen Erosion ins Meer, unter der Korallen ersticken - bis zur globalen Erwärmung, die schon ein Viertel aller Korallen zeitweise mit einem Stresssymptom ("Bleiche") überzogen hat.

Erwärmung tief unten

Davon können sie sich zwar erholen, wenn das Wasser wieder kälter wird, aber global hält die Erwärmung an und breitet sich in tiefere Schichten des Meeres aus. Forscher der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla haben die südpazifischen Gewässer rund um die Antarktis vermessen. Früher hat man das von Schiffen aus mit druckfesten Thermometern gemacht - wegen der rauen Bedingungen nur während des antarktischen Sommers -, seit den 90er-Jahren verwendet man kleine Bojen, die sich selbsttätig immer wieder tief hinab sinken lassen und periodisch auftauchen, um die Daten zu Satelliten zu melden.

Die Befunde zeigen in Tiefen zwischen 700 und tausend Metern erstens eine von den 50er- bis zu den 80er-Jahren beschleunigte Erwärmung und zweitens einen gegenwärtig stärkeren Temperaturanstieg als an der Oberfläche. Und Meereserwärmungen bringen eine Rückkoppelung in Gang: Warmes Wasser kann weniger Gas aufnehmen und gelöst halten, auch weniger Treibhausgas CO.

Das bringt auch zu Lande Rückkoppelungen: Durch die Erwärmung werden Waldbrände häufiger und setzen mehr Rauchteilchen frei. Wo diese in Wolken geraten, verhindern sie - durch Veränderung der Größe der Eiskristalle - das Abregnen.

Dass das regional die Spirale weiter treibt - mehr Wald brennt, mehr Rauch steigt auf -, wusste man schon. Aber nun hat Steven Sherwood von der Yale-University in New Haven nachgesehen, wo denn das Wasser hin geht, das nicht mehr abregnet. Es dampft in die Stratosphäre aus - mit Folgen: Wasserdampf ist das stärkste aller Treibhausgase. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 2. 2002)

Vgl. Science, Vol. 295, S. 1280, 1275 und 1272
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