"Der Käufer will nur nicht gelinkt werden"

14. Februar 2002, 19:30
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Nutzen der digitalen Signatur fraglich

Wien - Zu kaufen gibt es sie mittlerweile in jedem Postamt, wozu die viel gepriesene elektronische Signatur aber tatsächlich gebraucht wird, bleibt weiterhin fraglich. Denn zwar beweist der Nutzer beim Versenden eines Dokumentes, dass er wirklich er selbst ist und nicht ein Klon, das elektronische Einkaufserlebnis im Netz wird dadurch allerdings auch nicht größer.

"Aber es ist wesentlich sicherer als alle Passwörter und Pin-Codes zusammen", entgegnet Heinz Otruba von der Rundfunk- und Telekom Regulierungsbehörde RTR. Denn die digitale Unterschrift sei gleich viel wert wie die handschriftliche und damit wichtigste Voraussetzung für Glaubwürdigkeit und Authentizität im elektronischen Schriftverkehr. "Aber es fehlt noch an Applikationen, also an konkreten Anwendungen für die Nutzer", räumt der Telekomregulator ein.

Das Prinzip der elektronischen Unterschrift ist einfach, es basiert auf dem aus algorithmischen Zahlenreihen bestehenden Prinzip der asymmetrischen Verschlüsselung: A sendet B eine Nachricht und verschlüsselt sie mit seinem privaten Schlüssel, also einer speziellen Software. B entschlüsselt sie dem entsprechenden öffentlichen Schlüssel von A.

Der private Schlüssel ist übrigens nur auf der Chipkarte des Inhabers "eingesperrt" und korrespondiert in bestimmten Merkmalen mit den Zahlenschlangen des öffentlichen Schlüssels.

Hans G. Zeger von der Arge Daten hingegen hält die Erwartungen der Signatur- und Zertifizierungsanbieter für weit überzogen: "Es gibt derzeit keinen Grund, sich einen Schlüssel zu kaufen, denn man hat nichts davon." Im Gegenteil, der Anwender müsse sich nun auch noch darum kümmern, ob sein technisches System mit dem des Handelspartners kompatibel sei. "Der Käufer will aber nur nicht gelinkt werden" beim Webshopping, technische Details interessierten ihn doch nicht.

Einig sind sich Otruba und Zeger darin, dass das größte Potenzial die Behördenkontakte hätten, aber davon seien derzeit nur die wenigsten online durchführbar. Letzte Hoffnung sind Universitäten und Banken.

Zeger vermutet, dass auch das E-Government kein Heuler werden. "Wenn's schlecht hergeht, muss der Durchschnittsbürger vielleicht zwei Mal persönlich ins Amt oder Gericht gehen. Und genau diesen Weg kann ihm die digitale Signatur erst wieder nicht abnehmen." (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 2. 2002)

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