Unauffällige Notfallintegration und Kritik an der Vergabepraxis

14. Februar 2002, 19:36
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Gemeinnützigen Wohnbauträger finden langsam Gefallen an der Integration

Wien - "Das ist eines unserer unauffälligsten Häuser", weiß Heimbau-Direktor Alfred Grossberger. Und die Wohnungen gingen weg, wie die warmen Semmeln. Ein eher kleines Haus in der Toßgasse, das im 15. Bezirk nur deshalb auffällt, weil es neu ist. Und in der politischen Landschaft, weil hier mithilfe des Integrationsfonds "Notfallswohnungen" für besonders bedürftige ausländische Familien vergeben wurden: 17 Familien ohne österreichischem Pass leben nun Tür an Tür mit 15 inländischen Mietern.

Die Ursache des Erfolges ist Grossberger auch klar: "Die Wohnungen waren binnen dreier Wochen weg, nachdem wir bei den Eigenmitteln reduziert hatten".

"Derzeit gibt es bereits 14 derartige Pionierprojekte in Wien", bilanziert Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP). Und auch die Bereitschaft von gemeinnützigen Wohnbauträgern, am Wiener Integrationsprogramm mitzumachen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen: Wurden vor ein paar Jahren noch 1,5 Prozent der Wohnungen an Ausländer vergeben - so waren es im Vorjahr bereits 20 Prozent.

Aufholbedarf

Eine Dynamik, die ein wenig Druck vom Gemeindebau nimmt, der derzeit in Notfällen "sanft" für Ausländer geöffnet wird. Vorerst aber gibt es genug Aufholbedarf: "Derzeit leben 257.000 nichtösterreichische Mitbürger in Wien - rund 16,4 Prozent", berichtet Integrationsstadträtin Renate Brauner (SP). Davon kommen rund 150.000 aus dem ehemaligen Jugoslawien und 50.000 aus der Türkei. Zwei Drittel leben schon länger als zehn Jahre hier."

Und da gerade in diesen Gruppen die Wohnungsnot am dringendsten ist, wird heuer das Kontingent an "Notfallswohnungen" im Gemeindebau von 1000 auf etwa 1500 erhöht, der Anteil an Genossenschaftswohnungen von 700 auf rund 1000.

Gleichzeitig entfällt aber im Bereich der Gemeindewohnungen auch rund jede dritte der 12.000 jährlichen Neuvergaben auf neu eingebürgerte Österreicher. Was naturgemäß zu Spannungen führt. Dem versucht die Kommune mit eigenen Gemeindebau-Gebietsbetreuungen gegenzusteuern.

Der Putz-Ärger

Die häufigsten Probleme, mit denen etwa Wolfgang Niederwieser von der Gebeitsbetreuung im Margaretner Reumannhof konfrontiert ist, scheinen aber allgemein zwischenmenschliche zu sein: "Neben Beschwerden zum Wohnumfeld sind das meist Lärm oder Ärger, weil nicht gründlich geputzt wird."

Was die Vergabe von Notfallswohnungen betrifft, wurde am Donenrstag einhellige Kritik von FPÖ und ÖVP am "SP-Monopol" laut: So solle etwa die Caritas in die Entscheidungen eingebunden werden, forderte etwa ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Gerstl. Die FPÖ will, dass mehr bedürftige Inländer zum Zug kommen - derzeit liege der Schnitt bei 50 Prozent.

Grüne "Offensive"

Die Grünen wiederum forderten eine "Einbürgerungsoffensive", wobei laut der Grünen nichtamtsführenden Stadträtin Maria Vassilakou die Gebühren einkommensabhängig gestaffelt werden sollten. "Alles, was der Bund im Bereich Integration schlecht macht, kann die Stadt Wien nicht einfach durch Masseneinbürgerung wieder gut machen", konterte die SP-Abgeordnete Nurten Yilmaz. "Die zuständige MA 61 vollzieht ein Bundesgesetz, man kann die Stadtbeamten nicht zum Gesetzesbruch aufrufen." (frei, DER STANDARD Print-Ausgabe 15.2.2002)

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