Handys mit Beipackzetteln

15. Februar 2002, 08:19
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Mobiltelefonhersteller reagieren auf die Kritik der Gesundheitsbeeinflussung

Die großen Handyhersteller haben nun erstmals auf die immer wieder aufkeimenden Vorwürfe reagiert, exzessive Handynutzung sei gesundheitsschädlich. Nachdem sich die Unternehmen - im Wesentlichen Alcatel, Motorola, Nokia, SonyEricsson und Siemens - im Herbst des Vorjahres auf eine einheitliche Art der Messung der Wärmeabstrahlung von Handys geeinigt haben, wird nun seit Jahreswechsel eine so genannte SAR-Information publiziert.

Specific Absorption Rate

SAR, das steht für Specific Absorption Rate. Also für die Funkwellen, die der Körper beim mobilen Telefonieren aufnimmt. Festgelegt wurde, dass ein Wert von 2,0 Watt je Kilogramm nicht überschritten werden darf. Über diesen Grenzwert, der außerordentlich hoch angesetzt wurde, haben sich deutsche Konsumentenschützer bereits mokiert. Technisch möglich sind 0,5 Watt je Kilogramm, neuere Modelle liegen je nach Marke bei 0,3/0,4 bis 1,6 Watt je Kilogramm.

Wertesuche

Für die Gesundheitssprecherin der Grünen, Gabriele Moser, ist das Publizieren von SAR-Werten nur ein erster Schritt: "Es kann nicht sein, dass man sich als Konsument die Werte mühsam über die jeweiligen Homepages zusammensuchen muss." Ein Antrag der Grünen liege bei der zuständigen Ministerin Forstinger, diese Informationen an den Handys selbst anzubringen. Für eine möglichst einheitliche Kennzeichnung auf den Handys, für die sich auch schon deutsche Konsumentenschützer ausgesprochen haben, müsste es allerdings ein europaweites Vorgehen geben, erklärt Thomas Barmüller vom Forum Mobilkommunikation.

Wert im Benutzerhandbuch

Die Mobiltelefonhersteller sind inzwischen nicht untätig. Bis zum 31. März wollen sie, dass alle neu gefertigten Handys automatisch mit dem SAR-Wert im Benutzerhandbuch ausgeliefert werden, erklärt Elisabeth Mayrhofer von SonyEricsson. Bei davor produzierten Handys (die nicht unbedingt schlechtere Werte aufweisen müssen) werden die Daten in Datenbanken gesammelt.

"Laborwerte"

Laut Barmüller macht es übrigens nicht viel Sinn, die Werte zu akribisch zu vergleichen: "Das sind Laborwerte. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass ein Gerät mit höherem SAR-Wert weniger sicher ist als eines mit einem geringeren." Auch hätte sich gezeigt, dass durch das Tragen von Headsets (Ohrhörern) der SAR-Wert nicht höher sei als ohne. Labortests hätten sogar das Gegenteil ergeben. (Johanna Ruzicka - Der Standard Printausgabe)

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