Eschede-Musterprozess um tragisches deutsches Eisenbahnunglück

14. Februar 2002, 19:15
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Hinterbliebene streiten um Schmerzensgeld

Berlin - Das schwerste Eisenbahnunglück der deutschen Nachkriegsgeschichte, das 1998 in Eschede 101 Menschen in den Tod riss, wird erstmals in einem großen Zivilprozess aufgearbeitet. Vor dem Berliner Landgericht stehen sich ab 20. Februar Vertreter der Deutschen Bahn und sechs Hinterbliebene gegenüber. Das Gericht hat die Anwesenheit von Bahnchef Hart-mut Mehdorn angeordnet.

15.340 Euro pro Angehöriger

In der Musterklage kämpfen Kinder und Ehepartner um ein angemessenes Schmerzensgeld. 30.000 Mark pro Todesopfer (knapp 15.340 Euro oder 211.000 Schilling) hatte die Bahn nach der ICE-Katastrophe als so genannte besondere soziale Zuwendung an Angehörige überwiesen.

"Völlig unzureichend"

"Das ist völlig unzureichend", meint der Anwalt der Kläger, Reiner Geulen. Er hat den "Verdacht, dass das Geld gar nicht aus dem Bahn-Etat, sondern zum Teil aus Spenden der Bevölkerung stammt". Die Bahn habe bisher über den Verbleib von 409.000 Euro Spendengeldern keine Rechenschaft abgelegt.

Mindestens 250.000 Euro (3,4 Mio. S) fände Geulen "angemessen". Unangemessen sei hingegen der Vergleich, den Anwälte der Bahn mit anderen Unfallopfern geschlossen haben: "Die Reisenden in diesem Zug waren an dem Unglück völlig schuldlos." (dpa, DER STANDARD Print-Ausgabe 15.2.2002)

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