Country-Legende Jennings (1937-2002)

14. Februar 2002, 21:08
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Er und Johnny Cash galten als "Nashville Rebels", die der immer seichter werdenden Country-Music-Industrie den Finger zeigten

Phoenix - Dass eine chronisch erfolglose, jedoch mit übergroßem Herzen ausgestattete Band wie "Green On Red" Waylon Jennings Are You Sure Hank Done It This Way interpretierte, ist bezeichnend. Zumal der am 15. Juni 1937 in Littlefield, Texas, als Wayland Arnold Jennings geborene Country-Sänger immer eine Schwäche für die vom Leben Gebeutelten bewies.

Nachdem Jennings bereits mit zwölf Jahren als Radio-DJ arbeitete, entdeckte ihn Buddy Holly. Er machte ihn zum Bassisten seiner Band und produzierte Waylons Debütsingle, eine Version des Blondinen-Klassikers Jole Blon'.

Die "Nashville Rebels"

Am 3. Februar 1959 überlies Jennings nach einem Buddy Holly-Konzert in Clear Lake, Iowa, seinen Platz im Flugzeug dem erkrankten J.P. "The Big Bopper" Richardson und beschloss, mit dem Bus zur nächsten Show zu fahren. Das Flugzeug stürzte mit Holly, Richie Valens und dem Rest der Band ab.

Nach Hollys Tod gründete Jennings in Phoenix, Arizona, die Waylors, wurde von Bobby Bare als Talent erkannt und enterte 1966 mit That's The Chance I'll Have To Take die Country Charts. Wilde Jahre, in denen sich der Grammy-Preisträger mit Johnny Cash Wohnung und Drogen teilte, folgten. Jennings und Cash galten als Nashville Rebels, die der immer seichter werdenden Country-Music-Industrie den Finger zeigten und eine Rückbesinnung auf die Wurzeln dieser Musik forderten.

Jennings pflegte sein Wilder Hund-Image

Mit Alben, wie dem von Lee Hazlewood produzierten Singer Of Sad Songs (1971), pflegte Jennings das Wilde Hund-Image; als seine bestes gilt Dreaming My Dreams (1975). Die Songs Love Of The Common People oder Only Daddy That Will Walk The Line wurden in dieser Zeit zu Hits und gelten längst als Klassiker

Mit einem anderen großen Nonkonformisten des Country, Willie Nelson, nahm er in den späten 70ern vier Alben auf, bevor er dem Image des "Tough Guys" langsam überdrüssig wurde. Peinlichkeiten wie ein mit Hank Williams Jr. eingespielter Song, The Conversation, folgten. 1985 trat er den Highwaymen, einer Supergroup mit seinen alten Freunden Cash, Kris Kristofferson und Nelson bei. Bis zuletzt veröffentlichte der charismatische Bariton Alben.

Am 13. Februar ist Waylon Jennings im Alter von 64 Jahren zuhause in Phoenix im Schlaf gestorben.
(flu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.02. 2002)

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