"Wir werden Voestalpine-Kapitalerhöhung unterstützen"

18. Februar 2002, 00:24
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ÖIAG will Verwässerung eigener Anteile verhindern - Kritik von Böhler-Uddeholm-Chef

Wien - ÖIAG-Aufsichtsratpräsident Alfred Heinzel hat die Unterstützung der Staatsholding für eine mögliche Kapitalerhöhung der Voestalpine angekündigt. Im "profil"-Interview sagte Heinzel, "sollte der Vorstand der voestalpine an die ÖIAG wegen einer Kapitalerhöhung herantreten, glaube ich, dass wir das unterstützen werden."

Bisher sei ein solcher Antrag allerdings noch nicht gestellt worden.

Sollte die ÖIAG gegebenenfalls bei einer Kapitalerhöhung eines ihrer Beteiligungsunternehmen mitziehen und solcherart das Absinken ihrer Beteiligungshöhe verhindern, würde es sich dabei "nicht um einen Dogmenwechsel" bezüglich des Privatisierungsauftrages handeln.

Es sei in einem solchen Fall vielmehr notwendig, vor einer Privatisierung Wertsteigerungspotenziale, die in einem Unternehmen stecken, auszuschöpfen.

"Ohne den Staat besser dran"

Der ÖIAG-Aufsichtsratspräsident ist nach eigenen Angaben nach wie vor überzeugt, "dass ein börsenotiertes Unternehmen mit einer breiten Aktienstreuung ohne den Staat besser dran ist". Solange der Staat über die ÖIAG aber noch Aktienpakete an börsenotierten Unternehmen halte, müsse die ÖIAG dieses "Portfolio ordentlich vertreten".

Dass die ÖIAG etwa im Falle von Böhler-Uddeholm auf die Position des zweitgrößten Aktionärs zurückgerutscht ist, empfindet Heinzel als "nicht schlimm". Klar sei aber, dass die Gestaltungsmöglichkeiten beim allfälligen Verkauf von Aktienpaketen größer seien, "wenn man sich als verkaufender Aktionär in einer Kontrollposition befindet".

"Wenn ein anderes Aktienpaket größer ist als das ÖIAG-Paket, kann das für die ÖIAG bei einem späteren Verkauf ihrer Anteile eine Wertminderung bedeuten", argumentiert Heinzel. Abgesehen davon könne es natürlich zu einer "Majorisierung der ÖIAG im Aufsichtsrat" kommen.

Es sei daher nicht akzeptabel, so der ÖIAG Aufsichtsratspräsident, dass der Staat solche Kontrollpositionen "verschenkt, nur damit die Stellung für private Aktionäre zulasten des Staates eine bessere wird".

Böhler-Uddeholm-Chef äußert Kritik

Kritische Worte findet Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl im Magazin "Format" in der Causa ÖIAG/voestalpine-Kapitalerhöhung: Laut Raidl ist die ÖIAG "völlig außer Tritt und von einer beängstigenden Orientierungslosigkeit". Der Top-Manager, der auch die ÖVP in Wirtschaftsfragen berät, ist schwer verärgert, dass die ÖIAG zwei Jahre über Privatisierungen geredet hat und nun plötzlich um jeden Preis ihren Einfluss in den Beteiligungsunternehmen behalten wolle.

Raidl im "Format": Es war immer klar, dass alle Beteiligungen voll privatisiert werden. Jetzt wurde auf einmal die Strategie abgeändert und zwar aus reinen Machtgründen. Das ist eine Rückkehr in die tiefste Steinzeit der Verstaatlichten."

"Da wollen ein paar wieder Konzern spielen, obwohl das durch das Gesetz ausdrücklich verboten ist", vermutet Raidl als Hintergrund für den "Sinneswandels". "Die ÖIAG kommt drauf, dass andere auch mitreden wollen, wenn sie in ein Unternehmen einsteigen beispielsweise die Fries-Gruppe bei Böhler-Uddeholm. Das wird als störend empfunden." Das Engagement von Anwalt Rudolf Fries sei jedoch kein Stör-, sondern ein Idealfall: "Die ÖIAG müsste froh sein über jeden, der Anteile an ihren Firmen kauft würde sie die Privatisierung ernst nehmen", zitiert "Format" den Böhler-Boss.

Jetzt seien die Investoren wieder total verunsichert. "Sie haben Angst vor einer Re-Verstaatlichung." (APA)

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