Gemüsebad gegen zu viel "Gift"

14. Februar 2002, 18:04
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US-Produkt weckt Hoffnungen, Global 2000 widerspricht

Wien - Was schmutzig ist, kann man waschen, sagt der Hausverstand. Claudia Beck, Managing Director der Vertriebsfirma Two4You, hat sich den einfachen Geist zum Geschäftspartner auserkoren.

Ein Großteil der Pestizide an chemisch-synthetisch gespritztem Grünzeug "klebt an der Oberfläche", behauptet die österreichische Generalvertreterin von "Fruttipure, der Reinigungslösung für Obst & Gemüse". Deshalb: einfach "Fruttipure" auf die Paprikaschote, den Apfel oder die Paradeiser, "fünf Sekunden waschen, zwanzig Sekunden einwirken lassen und mit lauwarmem Wasser spülen". Und weg sei der Chemiedreck.

In zwei Wochen, erzählt Beck, wolle man mit "Fruttipure" in Österreich "voll durchstarten". Die Wiener Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung (WBL) habe dem Produkt aus den USA - das in dortigen Supermarkts gleich neben der Gemüse- und Obstabteilung in den Regalen steht - ein Unbedenklichkeitszertifikat ausgestellt. "Wir haben Frau Beck aber eine Reihe von Werbeauflagen erteilt", ergänzt WBL-Verantwortlicher Helmut Sikerle.

850 Pestizide
"Das ist der falsche Weg. Wer glauben macht, dass Pestizide so leicht zu entfernen sind, stellt Chemieverspritzern einen Freibrief aus", reagiert Lia Sieghart von Global 2000 alarmiert auf die Kunde vom Gemüsebad. Vielmehr reicherten sich Insektizide, Fungizide und Herbizide ebenso in wie auf gespritzten Produkten an.

850 derartige Stoffe seien in der EU für die Gemüse- und Obstproduktion registriert, erläutert ihr Kollege Klaus Kastenhofer. Die Pestizidzulassung werde durch die "marktorientierte" EU-Richtlinie 91/414 geregelt.

Anders die erlaubten Grenzwerte, die in Europa in vier Direktiven, in Österreich in einer extra Verordnung festgehalten seien. "Beide Regelungen setzen in etwa dieselben Grenzen fest", referiert Kastenhofer. Das Problem liege nicht in deren Höhe, sondern in deren möglicher Ineffektivität. Vor allem "wenn es sich um Mittel handelt, die hormonell eingreifen. Bei ihnen gilt das Prinzip ,je mehr, desto giftiger‘ nicht". (Irene Brickner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.02.2002)

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