Kleinere Geschäfte werben gemeinsam

15. Februar 2002, 13:44
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SP-Nationalrat Kräuter: Bessere Nahversorgung per Gesetz

Wien/Graz - Mehr, oder jedenfalls größere Geschäfte: Die Verkaufsfläche wächst stetig - in Wien um bis zu 3,5 Prozent pro Jahr. Die Kaufkraft, 128 Milliarden Schilling in der Bundeshauptstadt, steige aber nicht, fügt der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Nettig, an. In Teilen der Stadt, vor allem in Randlagen, gebe es durchaus Versorgungsprobleme.

In manchen Branchen findet seit Jahren ein Verdrängungswettbewerb statt. Kleine Greißlergeschäfte seien kaum noch rentabel zu führen, große Handelsketten hätten wenig Interesse an Gebieten mit geringerer Kaufkraft. Vor allem ältere, weniger mobile Menschen hätten dadurch bereits Probleme, Waren des täglichen Bedarfs ohne Mühe kaufen zu können.

In Wien versucht man mit "dem inzwischen weltweit größten Citymarketing-Projekt" gegenzusteuern: Unternehmer in gewachsenen Einkaufsstraßen schließen sich zusammen - derzeit 9000 - und vermarkten ihre Standorte; Kammer und Stadt Wien gaben dafür in zehn Jahren 52,3 Millionen Euro (720 Mio. S) aus. Der "Randnutzen": Wenn die Einkaufsstraßen leben, können Geschäfte auch in Nebenstraßen bestehen.

Filialen per Gesetz

Wenig Alternativen gibt es in ländlichen Regionen. So hat etwa in der Steiermark bereits jede vierte Gemeinde keinen Kaufmann mehr. Nationalrat Günther Kräuter (SP) will Großhandelsketten in Zukunft per Bundesgesetz verpflichten, Filialen in ländlichen Gebieten zu eröffnen. Unternehmen, die dazu nicht bereit sind, sollen gemäß Kräuters Vorschlag - ähnlich wie bei der Lehrlingsausbildung - Ausgleichszahlungen in einen Fonds leisten, um weitere Initiativen zur Nahversorgung zu finanzieren.

Auf wenig Begeisterung stößt die Idee bei Leopold Strobl von der Sektion Handel der steirischen Wirtschaftskammer. Strobl: "Der Kaufmann hat viel mehr Aufgaben als das Verteilen von Waren. Er ist ein Dienstleister und eine Plattform für die Bevölkerung." Der Direktor der steirischen Spar-Zentrale, Erwin Schmuck, sieht allerdings gerade im Dienstleistungsbereich die "große Stärke" seiner Lebensmittelkette. Gegen ein Gesetz zur Verbesserung der Versorgung spreche nichts. "Als größter Nahversorger sind wir ohnehin ständig auf der Suche nach neuen Standorten", erklärt Schmuck. Unterstützung seitens der Politik komme da gelegen. (or, cms, DER STANDARD Print-Ausgabe 15.2.2002)

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