Wiener Büromarkt: Hochwertige Flächen weiter gefragt

14. Februar 2002, 15:25
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Leichter Anstieg bei Leerständen - Immobilienexperten vorsichtig optimistisch

Wien - Steigendes Neubauangebot, hohe Nachfrage nur noch nach qualitativ hochwertigen Flächen: So schätzen Immobilienexperten den Wiener Büromarkt für die kommenden Jahre ein. Die Leerstandsrate dürfte steigen, und zwar auf rund vier Prozent per Ende 2002. Eugen Otto (NAI Otto Immobilien) bezeichnete dies am Dienstag in einer Pressekonferenz als "qualitativen Leerstand": Vor allem schlechtere Büroflächen seien davon betroffen.

Laut NAI Otto Immobilien - das Unternehmen vermarktet den umgebauten "Galaxy 21"-Büroturm in Wien-Leopoldstadt - ist auch in den Jahren 2002 und 2003 eine deutliche Angebotserweiterung durch verstärkte Bautätigkeit zu erwarten. Jeweils mehr als 300.000 Quadratmeter könnten dazukommen. Per Ende 2001 lag der Wiener Büromarkt den Angaben zufolge bei insgesamt 8,800.000 Quadratmetern.

Büromieten auf niedrigem Niveau

Die Büromieten bewegen sich im internationalen Vergleich nach wie vor auf niedrigem Niveau, allerdings sei der Markt durch ein stetes Ansteigen der Mietwerte geprägt. Der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Nettig sprach am Donnerstag bei der "Galaxy 21"-Präsentation von Quadratmeter-Monatsmieten in der Höhe von durchschnittlich 21,1 Euro (290 S) in Toplagen. In Paris lagen die Top-Werte im vierten Quartal 2001 nach Angaben des internationalen Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle bei monatlich 61 Euro (839 S), in London bei 117,3 Euro (1.614,1 S).

Nettig sieht die steigende Leerstandsrate gelassen: "Das macht mir keine Sorgen. Konkurrenz belebt das Geschäft." Ähnlich die Einschätzung von Michael Ehlmaier, Vorstand der u.a. für die Vermietung des Twin Towers zuständigen CPB Immobilien Treuhand. "Die Nachfrage ist nach wie vor da. Bloß gibt es jetzt Konkurrenzprodukte", so Ehlmaier auf APA-Anfrage. Für die Kunden sei die Situation wegen des großen Angebots derzeit optimal.

Kein Einbruch

Auch Christoph Kothbauer, Geschäftsführer der Landesinnung Immobilientreuhänder, will nicht von einem Einbruch sprechen, "aber es ist ganz klar, dass die Kurve abflacht". Punkten könne man im Wettbewerb durch Standortqualität, und dabei vor allem durch eine optimale Verkehrserschließung: "Wie attraktiv das Umfeld ist, spielt an sich keine Rolle."

Ganz anders Roman Rusy, Sprecher der UBM Realitatenentwicklung AG. Es sei keine Überraschung, dass der Run auf Immobilien vorbei sei: "Die Erwartungen sind geprägt worden von ein paar Leuten, die den Mund sehr voll gehabt haben am Immobilienmarkt."(APA)

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