Doppelte Preisauszeichnung: Banker skeptisch

14. Februar 2002, 15:14
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Man wolle sich aber Kundenwunsch nicht verschließen - Handelsverband abweisend

Wien - Führende Bankenvertreter ließen am Donnerstag zwar massive Kritik daran erkennen, die bis Ende Februar gesetzlich vorgeschriebene doppelte Preisauszeichnung in Österreich zu verlängern. Einem dringenden Kundenwunsch werde man sich aber nicht verschließen können. Den Schilling gibt es ab dem 1. März 2002 nicht mehr, alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel ist dann der Euro. Dass das "Gefühl" für den Euro steigt, wenn weiterhin der Schilling mit angegeben wird, wird von der Kreditwirtschaft ernsthaft in Zweifel gezogen.

"Wenn es aber ein so elementares Anliegen der Konsumenten ist, werden wir eben auch noch eine Zeitlang beide Währungen angeben", erklärte am Donnerstag die Spitze des österreichischen Sparkassenverbandes. Die Sparkassen wären bereit, bis längstens 30. Juni auf Kontoauszügen, am Schalteraushang und eventell auch auf Valutenabrechnungen dem Euro noch Schillingangaben beizufügen.

Auch Geldwirtschaft kritisch

Ebenfalls konziliant, aber eindeutig gegen eine gesetzliche Verlängerung der Frist der doppelten Preisauszeichnung oder Währungsangabe sprachen sich am Donnerstag andere führende Vertreter der heimischen Geldwirtschaft aus. "Ich bin mir nicht sicher, ob wir damit etwas Gutes tun würden, wenn wir noch vier Monate länger am Schilling anhalten würden", sagte der Obmann der Bundessparte Banken und Versicherungen in der Wirtschaftkammer, und Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, bei einer Presseveranstaltung in Wien.

Prinzipiell könne aber jede Bankengruppe mit dem Thema so umgehen, wie sie wolle. Er verstehe aber schon, dass dies ein Wettbewerbsthema zwischen den Banken sein könne. Persönlich sei er aber der Meinung, dass man sich schnell an den Euro gewöhnen sollte, fügte Rothensteiner hinzu. Als Geldinstitut sei man für den Fall, dass die Kunden auf den Kontoauszügen auch noch den Schilling haben wollten, "flexibel". Dieser Meinung wollte sich auch Bank Austria Vorstandsdirektor Wolfgang Haller anschließen.

Handelsverband gegen Fristverlängerung

Der Handesverband, der Verband der Mittel- und Großunternehmen im heimischen Einzelhandel, sieht "keinerlei Notwendigkeit für eine Verlängerung von Schilling- und Euro-Preisauszeichungen". Der Schilling verliere seine Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel. Daher müssten Zweifel darüber angemeldet werden, "ob die Preisangabe in einer nicht mehr gültigen Währung nicht nur für die Konsumenten verwirrend ist, sondern auch den rechtlichen EU-Bestimmungen zuwider laufen", so der Handelsverband am Donnerstag in einer Aussendung.

(APA)

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