Pleite: Selber schuld

14. Februar 2002, 17:38
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KSV: Mehr als drei Viertel aller Insolvenzen aus Eigenverschulden - "Versäumnisse und individuelle Fehler des Managements"

Wien - Managementfehler haben auch im abgelaufenen Jahr 2001 am häufigsten zu Firmenpleiten geführt. Ein Großteil der Unternehmen schlittert aus eigenem Verschulden in die Insolvenz. Bei 27 Prozent der Fälle war Fahrlässigkeit der Auslöser. Dies ergab eine am Donnerstag vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV) vorgelegte Studie über die Insolvenzursachen.

Zweifellos hinterlasse ein schwächeres Wirtschaftswachstum Spuren in den Bilanzen der heimischen Betriebe, die Gründe für Firmenzusammenbrüche hätten sich gegenüber den Vorjahren aber nur wenig geändert, wie es heißt. "Wer Pleite geht, hat sich dies meist selbst zuzuschreiben - auch wenn man allzuoft den Spiegel für das Gesicht verantwortlich machen möchte", so der KSV.

Versäumnisse und individuelle Fehler

Deutlich mehr als drei Viertel aller Insolvenzen entstehen demnach durch Versäumnisse und individuelle Fehler in den Pleitebetrieben selbst. Lediglich bei 15 Prozent sind äußere Umstände hauptverantwortlich für den wirtschaftlichen Misserfolg. Laut KSV gab es in den letzten fünf Jahren mehr als 26.000 Firmeninsolvenzen quer durch alle Branchen; dabei wurden nicht nur ein Milliarden-Vermögen, sondern auch rund 74.000 Arbeitsplätze vernichtet.

Im Einzelnen entfallen in der KSV-Untersuchung auf den Analysepunkt "Fehler bzw. Verlustquellen im innerbetrieblichen Bereich" 34 Prozent, nach 33 Prozent (Jahr 2000). In diesen Fällen, erklärt der KSV, fehlt vor allem der notwendige kaufmännische Weitblick und die rationelle Planung.

Fahrlässigkeit bei 27 Prozent

Bei 27 Prozent der Firmenpleiten ist Fahrlässigkeit die Ursache, dieser Prozentsatz blieb 2001 zum vorangegangenen Jahr unverändert. Dem Begriff "Fahrlässigkeit" ordnet der KSV unter anderem neben ungenügender Kenntnis des praktischen Wirtschaftslebens und mangelnder Branchenkenntnis auch das Fehlen einer geordneten Betriebs- und Rechnungsprüfung sowie übermäßige Investitionen und überflüssige Betriebserweiterungen zu.

Auf Kapitalmangel sind 18 Prozent der Insolvenzen zurückzuführen, das sind um einen Prozentpunkt weniger als im Jahr 2000. Die Ursache "Fehler bzw. Verlustquellen im außerbetrieblichen Bereich" wie etwa der Ausfall von Lieferanten oder die Insolvenz von Kunden änderte sich von 11 auf 12 Prozent.

Persönliches Verschulden wie überhöhte Privatentnahmen, Spekulationen, Vernachlässigung der Geschäftsführung oder betrügerische Handlungen waren für 6 Prozent der Pleiten nach 7 Prozent davor verantwortlich.

Der KSV hat für seine Studie 2.343 Insolvenzen oder 80 Prozent aller Pleiten untersucht.(APA)

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