Erste Bank stuft OMV von "Buy" auf "Outperform" zurück

14. Februar 2002, 12:53
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Gewinnschätzungen nach unten revidiert

Wien - Die Analysten der Erste Bank haben die Aktien des heimischen Ölkonzerns OMV auf "Outperform" von zuvor "Buy" heruntergestuft. Die Aktienexperten gehen nicht davon aus, dass der niedrigere Ölpreis durch einen höheren Output sowie verstärkte Aktivitäten in den Bereichen Raffinerien und Marketing (R&M) kompensiert werden kann. Deshalb sehe man sich "gezwungen" die Gewinnschätzungen für die Jahr 2002 und 2003 "beträchtlich" nach unten zu revidieren, heißt es in einer aktuellen Analyse der Erste Bank.

Für das laufende Geschäftsjahr 2002 erwartet die Erste Bank nun einen Gewinn von 10,70 Euro je Aktie auf Basis eines erwarteten Rohölpreises von 19 US-Dollar. Zuvor hatte man noch mit einem Gewinn von 13,09 Euro gerechnet. Für das Jahr 2003 wurde die Gewinnschätzung von 14,73 auf 12,62 Euro je Anteilsschein revidiert. Dabei gehen die Analysten von einem Rohölpreis bei 20 US-Dollar aus.

Verzögerung bei PKN Orlen Verhandlungen

Auch die Verzögerung bei den Privatisierungsbemühungen der zentral- und osteuropäischen Unternehmen, und hier speziell bei der polnischen PKN Orlen, haben die Analysten zur Herabstufung der OMV-Aktien bewogen. Zudem komme noch das geringer als erwartet ausgefallene Wachstum (drei Prozent bis 2003) im Bereich Exploration & Produktion (E&P). Die OMV bleibe auch hinter dem fünf- bis zehnprozentigen Wachstum in der E&P-Sparte der größeren Konkurrenten zurück und habe nur ein "marginales Kostensenkungs"-Potenzial, so die Analysten

Positiv sehe man hingegen die von OMV-Chef Ruttenstorfer angekündigte Erhöhung der Investitionen von 2,0 auf 2,7 Mrd. Euro in den nächsten drei Jahren. Diese würden zu einer "signifikanten Beschleunigung" des Wachstums beitragen. Die Analysten prognostizieren ein jährliches organisches Wachstum von lediglich drei Prozent in den Bereichen E&P sowie R&M in den kommenden Jahren. Akquisitionen seien deshalb besonders wichtig für das Wachstum der OMV und werden auch weiterhin den zukünftigen Aktienkurs bestimmen.

Kursniveau "billig"

Das Kursniveau bewerten die Analysten als "billig" im Vergleich zur westeuropäischen Vergleichsgruppe. Auch wenn man einige fundamentale Gründe für den Bewertungsabschlag finden könnte, so sei der niedrige Aktienkurs vor allem von der Erwartung des Marktes geprägt, dass das Unternehmen seine größeren Konkurrenten beim Wachstum nicht überholen und langfristig kein attraktives Umsatzwachstum erreichen könne.

Diese Vermutung würden auch die jüngsten Zugewinne der OMV-Papiere, die hauptsächlich durch Nachrichten bezüglich der Privatisierung der zentral- und osteuropäischen Unternehmen geprägt waren, bestätigen, meinen die Analysten. Ohne kursrelevanten Privatisierungsnachrichten sei der Aktienkurs vor allem vom Rohölpreis bestimmt, dabei profitiere die OMV-Aktie tendenziell von einem niedrigeren Ölpreis. Dies lasse sich auf die Konzentration des Unternehmens auf die Weiterverarbeitung zurückzuführen. Diese erlaube der OMV in Perioden eines niedrigeren Rohölpreises die Margen im Bereich Raffinerien und Marketing zu erhöhen, so die Analyse der Erste Bank.(APA)

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