Rollmöpse

15. Februar 2002, 10:27
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+ + + PRO

Markus Mittringer

Man muss Rollmöpse schon allein deswegen lieb haben, weil sie nicht bellen. Trotzdem vertreiben sie Kater. Und das, obwohl sie wie kein anderes Haustier unglaublich pflegeleicht sind. Ich halte sie nun schon seit Jahren zu viert oder fünft in kleinen Aquarien gleich neben den Eiern im Kühlschrank, ohne dass es auch nur eine einzige Beschwerde gegeben hätte.

Die treiben völlig entspannt im süßsauren Sud vor sich hin und lassen sich im Notfall auch recht willig einfangen. Da hat sich der oberste Urheber schon etwas dabei gedacht, als er deren rutschfestes hölzernes Kreuz erschuf. Und so gut der Pfahl auch in den Fingern liegt, so leicht wiederum lässt er das mürbe Fleisch in den trockenen Schlund gleiten. Und nachdem der beherzte Biss vor zu den krautigen Innereien des drapierten Heringslappens dann die mobilisierende Essigdusche über die fahle Mundhöhle hat kommen lassen, dient das nun bloße Rückgrat ebenso zum Reinigen verkarsteter Zahnzwischenräume wie der mechanischen Tilgung unschöner Seinsreste zwischen Nägeln und Fingerkuppen. Und noch was: Immer wieder wird seitens radikaler Mopshasser behauptet, die harmlosen Kühlschrankbewohner machten krank, seien Brutstätten gefährlicher Schläfer: Nematoden, so heißt es, rabiate Fadenwürmer nisteten in den verschlungenen Windungen der Möpse. Und die wären subversiv bis zum Darmverschluss. Liebe Leute, das stimmt! Und genau deswegen spricht der Profi ja vor dem Mops dem Alkohol zu. Das mag der gemeine Nematode nicht, und den Profi freut es doppelt.

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- - - CONTRA

Christoph Winder

Peinlich genug, die Arbeit als Contra-Geber mit einem Eingeständnis der Haltlosigkeit beginnen zu müssen: Jawoll, auch ich zähle zu jenen, die ab und an - wenn natürlich auch nur außerordentlich selten - das Gläschen zu viel hinter die so genannte Binde gießen. Die klinischen Folgen reichen von Sodbrennen, Kopfschmerz und Übelkeit über den Nie-wieder-Alkohol-Schwur bis hin zum allgemeinen Lebensekel. Kein Wunder, dass man in dieser tristen leibseelischen Lage zu jedem verfügbaren Antidot greift: Scharfe Suppen, feuchte Beutel - alles, alles ist erwünscht, solange es nur kein Rollmops ist.

Allein die Vorstellung, einen Kater mit in einem in einen silberglitzernden Fischlappen gewickelten Krauthaufen bekämpfen zu wollen, ist geeignet, meine Speiseröhrenperistaltik sofort in die falsche Richtung anzutreiben. Das Widerwärtigste ist nicht einmal der Zahnstocher, mit dem die gastronomische Mesalliance mühsam zusammengehalten wird. Es ist der Name der Speise, der in seiner Idiotie an Bezeichnungen wie "Grenadiermarsch" oder "Mohrenkopf" heranreicht und die Vision einer faltigen Mopsschnauze hervorruft, die den reuigen Zecher aus dem Krauthaufen heraus zärtlich anstupst. Wenn das kein Bild ist, das einen zum röhrenden Reihern treiben könnte! Dann noch lieber den Rausch mit ein paar kalten Bieren aufwärmen und auf das Risiko pfeifen, dass der Kater doppelt schrecklich sein wird.

derStandard/rondo/15/2/02

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