Gesunder Lebenswandel beugt Altersdiabetes vor

14. Februar 2002, 12:44
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Bis zu 90 Prozent Typ-2-Diabetes-Erkrankungen ließen sich nach neusten Ergebnissen so verhindern

Boston - Laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ließen sich bis zu 90 Prozent Typ-2-Diabetes-Erkrankungen ("Altersdiabetes") durch einen gesunden Lebensstil verhindern. US-Wissenschafter haben jetzt zusätzlich herausgefunden, dass bei gefährdeten Personen Abnehmen und Sport auch viel besser als das Medikament Metformin zur Prophylaxe der Zuckerkrankheit geeignet sind.

Studie

Die Wissenschafter vom US-Studienprogramm über Möglichkeiten zur Verhinderung von Typ-2-Diabetes veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse vor wenigen Tagen (7. Februar) im "New England Journal of Medicine". Sie hatten insgesamt 3.234 Personen mit so genannter Insulinresistenz als Vorstufe zur echten Zuckerkrankheit in drei Gruppen eingeteilt.

1.082 Betroffene wurden nicht behandelt (Placebo). Eine Insulinresistenz gilt auch nicht als eigentliche Krankheit. 1.073 der Probanden erhielten das Blutzucker-senkende Arzneimittel Metformin, das seit vielen Jahren als orales Antidiabetikum eingesetzt wird (zwei Mal täglich 850 Milligramm). 1.079 der Testpersonen wurden schließlich zu einer Gewichtsabnahme um sieben Prozent und zu mindestens 150 Minuten körperlicher Betätigung wöchentlich angehalten. Das Durchschnittsalter der Probanden betrug 51 Jahre. Mit einem Body-Mass-Index von durchschnittlich 34 waren sie alle erheblich zu dick. 68 Prozent der Testpersonen waren Frauen.

Nach durchschnittlich 2,8 Jahren Beobachtungszeit wurde schließlich in allen drei Gruppen die Häufigkeit von inzwischen ausgebrochenem Typ-2-Diabetes festgestellt. Die Wissenschafter: "Die Bemühungen zur Änderung des Lebensstils verringerte im Vergleich zur Placebo-Gruppe das Neuauftreten von Diabetes um 58 Prozent. Metformin reduzierte die Häufigkeit hingegen um 31 Prozent."

Effektiv

Ein anderes Beispiel macht die hervorragende Wirkung der Lebensstil-Modifikation bei den Diabetes-Gefährdeten ebenfalls deutlich: Um eine Diabetes-Erkrankung zu verhindern, war die Beteiligung von 6,9 Personen über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg notwendig. Hingegen hätten 13,9 Personen drei Jahre lang Metformin schlucken müssen, um eine einzige Zuckerkrankheit zu verhüten. Die Wissenschafter: "Die Lebensstilmodifikation war wirksamer als das Metformin." Atherosklerose schon vor Diabetes

"Die Gefäßverkalkung startet bei Patienten schon bevor es zu erhöhten Blutzuckerspiegeln und schließlich zur Zuckerkrankheit kommt. Das erfolgt schon im so genannten metabolischen Syndrom. Hinzu kommt, dass die Patienten (im Vergleich zu Nicht-Diabetikern, Anm.) weniger von ihrer späteren Herzkrankheit merken", erklärte Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Diabetologe an der Rudolfstiftung in Wien und Präsident der österreichischen Diabetes-Gesellschaft.

Jedenfalls sollten bei Zuckerkranken die Maßnahmen zur Vorbeugung und zur Erkennung eventueller Herzkrankheiten besonders intensiv verfolgt werden. Schernthaner: "Diabetiker ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung haben das selbe Risiko wie Nicht-Diabetiker nach einem ersten Infarkt."

Zusätzlich gäbe es Hinweise, wonach verschiedene Arzeneimittel - so zum Beispiel die Cholesterin-senkenden Statine und ACE-Hemmer (Blutdruckmittel) - gerade bei Zuckerkranken zusätzlich schützende Effekte in Form einer Hemmung von chronischen Entzündungen hätten. Gerade bei Diabetikern dürften entzündliche Prozesse einen wesentlichen Teil der Gefäßverkalkung (Atherosklerose) ausmachen. (APA)

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