"Wirtschaftlicher Kamikaze-Flug"

14. Februar 2002, 14:38
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Personalvertretung fordert Prüfung der neuen Spartenorganisation

Wien - Die Personalvertretung der Österreichischen Post fordert die Kapitalvertreter im Post-Aufsichtsrat (AR) auf, ihrer aktienrechtlichen Sorgfaltspflicht und Verantwortlichkeit nachzukommen und vor weiteren Schritten des Postvorstandes die Vorlage einer Wirtschaftlichkeitsberechnung und Mittelfristplanung für die geplante Spartenorganisation zu verlangen. Der Zentralausschuss hat heute Donnerstag dem Post-Vorstand den in der Zentralausschusssitzung vom Dienstag beschlossenen Einspruch gegen die Wirtschaftsführung übermittelt.

"Die Maßnahmen, die der Vorstand jetzt setzt, bedeuten die Zerstörung der Post in Österreich und eine mutwillige Vernichtung von bis zu 11.000 Arbeitsplätzen", stellt der Zentralausschussvorsitzende Gerhard Fritz in einer Aussendung fest. Die Belegschaftsvertreter aller Fraktionen würden diese Meinung über den wirtschaftlichen "Kamikaze-Flug" des Post-Vorstandes teilen.

Fünf Geschäftsfelder

Der Post-Aufsichtsrat hat am Montag dieser Woche (mit den Stimmen der Kapitalvertreter) in einer Sondersitzung zu der bereits im August des Vorjahres beschlossenen Aufteilung der Österreichischen Post AG in die fünf Geschäftsfelder Infomail (Werbesendungen), Mediendienste (Zeitungszustellung), Brief, Schalter (Filialnetz) und KEP (Kurier-Express-Paket) die Zuordnung der Vorstandsverantwortlichkeiten genehmigt. Mit 1. Juli 2002 soll das neue Konzept operativ werden.

"250 Millionen Euro-Kosten"

Die Gewerkschaft kritisiert, dass diese Spartenorganisation das Unternehmen jährlich 250 Mill. Euro (fast 3,5 Mrd. s) kosten würde. Dadurch würden die Arbeitsplätze von "tausenden Mitarbeitern in allen Bereichen der Post" gefährdet. Die Personalvertretung hat am Dienstag beschlossen, gemäß Arbeitsverfassungsgesetz "Einspruch gegen die Wirtschaftsführung" zu erheben. Demnach müssten binnen einer Woche (bis kommenden Dienstag) Vorstand und Betriebsrat zu einer Einigung kommen, ansonsten eine Schlichtungskommission im Verkehrsministerium eingeschaltet werden müsse.

Vorstand weist Vorwürfe zurück

Der Post-Vorstand hat Anfang der Woche die Vorwürfe der Arbeitnehmervertretung zurückgewiesen und argumentiert, dass die Österreichische Post eines der letzten Postunternehmen in Europa sei, das sich auf die bevorstehende Liberalisierung des Postmarktes solcherart organisatorisch vorbereite. Die Berechnungen der Postgewerkschaft werden von Vorstandsseite als nicht der künftigen Realität entsprechend zurückgewiesen. Fritz beteuerte jedoch, dass die Berechnungsgrundlagen "ausschließlich aus dem Management selbst stammen" und von einem von der Post AG beauftragten Unternehmensberater sogar bestätigt worden seien. (APA)

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