VÖZ gesprächsbereit, Gewerkschaft sieht gestörte Gesprächsbasis

14. Februar 2002, 13:49
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Bauer: "Wenn es darum geht, die 'Krone' einzubinden, dann muss sich die 'Krone' an die Anstandsregeln halten"

Die Debatte über die Zukunft des Presserats geht in eine neue Runde. Auf Einladung des Presseclubs Concordia treffen die Trägerverbände des Organs zur freiwilligen Selbstkontrolle der österreichischen Medien am Donnerstag zusammen. Seitens des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) wurde die Bereitschaft für konstruktive Gespräche betont. Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft, sieht aber derzeit eine gestörte Gesprächsbasis.

"Öffentliche Scheidung"

Der VÖZ hatte Ende vergangenen Jahres die Vereinbarung über die Einrichtung des österreichischen Presserates aufgekündigt. Dass dies als "öffentliche Scheidung" geschehen sei, sieht Bauer nach wie vor als "Affront gegenüber dem Sozialpartner", wie er sagte. Deutliche Worte in diesem Sinn, die Bauer auch vergangene Woche in der "Wiener Zeitung" äußerte, haben wiederum beim VÖZ zu "Irritationen" im Vorfeld des heutigen Gespräches geführt.

Bauer stößt sich weiters an einem Entwurf für die Neugestaltung des Presserats, in dem die Gewerkschaft nicht als eine Trägerorganisation genannt wird. Bisher waren VÖZ, der Verband Österreichischer Zeitschriften, die Journalistengewerkschaft sowie der Presseclub Concordia die Träger des Presserats.

Statutenentwurf

Laut dem der APA vorliegenden Statutenentwurf sollen sich die Mitglieder des Presserats aus Zeitungsherausgebern und -verlegern rekrutieren, "ferner" können auch "Verbände des Pressewesens" Mitglieder werden. Für Bauer ein "formaler Versuch, den Sozialpartner hinauszuhauen": "Wir sind 100 Prozent gesprächsbereit, wenn es um inhaltliche Fragen geht, aber wir sind nicht bereit, den Presserat zu zerstören."

Das Problem des Presserats sei "offenbar, dass es der VÖZ nicht schafft, seine eigenen Mitglieder auf den Presserat zu verpflichten", kommentiert Bauer den Umstand, dass am Konzept für den "Presserat neu" die "Kronen Zeitung" federführend beteiligt ist. "Wenn es darum geht, die 'Krone' einzubinden, dann muss sich die 'Krone' an die Anstandsregeln halten und nicht die Anstandsregeln an die Krone." (APA)

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