Sich gegen das Krankenhaus impfen lassen ...

14. Februar 2002, 20:42
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Neues Vakzin soll Spitalsinfektionen bekämpfen - zwei- bis dreitausend Österreicher sterben jährlich an ihnen

Bethesda/Wien - Er kommt in der Nacht, er kommt am Tag. Manchmal mit Stöhnen, manchmal lautlos, manchmal mit himmelschreiendem Gebrüll: der Tod, der aus dem Krankenhaus kam. Die mit dem Einlieferungsgrund nur am Rande zu tun hat. Der in Begleitung von Lungen-, Gelenks- und Knochenentzündungen auftritt oder mit Meningitis und Herzkrankheiten - besonders bei immunschwachen oder älteren sowie bei Dialysepatienten. Sein Name sei Staphylococcus aureus, beschloss die Wissenschaft für den Todeskeim und suchte immer eiliger nach Gegenwehr, als mehr und mehr Antibiotika machtlos wurden.

Nun scheint eine Waffe für den Kampf gegen den Keim gefunden: Wissenschafter des US-amerikanischen National Institute of Child Health and Human Development um den Mediziner John Robbins haben mit der Firma Nabi einen Impfstoff gegen die gefürchtete Infektion entwickelt.

Grundlage dafür sind 15 Jahre Erforschung des Erregers. Dabei identifizierten die Forscher jene Zuckerverbindungen, die ihn für die weißen Blutkörperchen und somit für die Immunabwehr unerkennbar machen. Nun wollen sie das Immunsystem beim Aufstöbern unterstützen. Die weiteren Schritte, so der Ansatz, würden dann natürlich ablaufen, also die Entwicklung von Antikörpern und die Eliminierung des Erregers.

Und so munitionierten die Wissenschafter - zunächst bei Mäusen - die Immunabwehr auf: Sie spritzen Eiweiße, die sich an die Zuckerverbindungen anhängen und diese so für Antikörpermechanismen erkennbar machen.

Auch bei Dialysepatienten ging mit der Impfung die Infektionsrate zurück. Noch größere Hoffnungen machen sich die Forscher bei immunstärkeren Patienten nach Herz- oder Brustoperationen.

Massensterben

Ein möglicher großer Schritt gegen eine letale Infektion, weitere, vor allem organisatorische sind notwendig. Denn Krankenhausinfektionen sorgen inzwischen für ein wahres Massensterben - allein in Österreich dürften zwei- bis dreitausend Menschen jährlich ihretwegen die Spitäler nur mehr im Sarg verlassen.

Ein Tod, den beim Staphylococcus aureus auch das einzige für Methicillin-Resistenz geeignete Antibiotikum (Vancomycin) nicht verhindert: Einzelne Stämme sind auch dagegen schon resistent. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 2. 2002)

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