Pressevertrieb droht Konzentrationsschub

13. Februar 2002, 18:57
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Salzburger Großvertrieb dient sich WAZ an - Morawa besorgt

Mit einem Schlag könnte der Essener Verlagskonzern WAZ seinen Marktanteil im österreichischen Pressevertrieb verdoppeln: "Es gibt ein Angebot der WAZ-Gruppe für den Pressegroßvertrieb Salzburg", erklärt dessen Geschäftsführer Karl Oberleitner auf STANDARD-Anfrage.

Der WAZ gehören bereits jeweils rund 50 Prozent an "Kronen Zeitung" und "Kurier". Deren gemeinsame Tochter Mediaprint, die auch Druck und Anzeigen betreut, kontrolliert rund ein Drittel des Vertriebsmarktes für Printprodukte in Österreich. Sagt Wolfgang Rick, Geschäftsführer des Mitbewerbers Morawa, der seinem und dem Salzburger Pressegroßvertrieb je ein weiteres Drittel dieses Marktes beimisst.

Dass - wie der Branchendienst intern weiters berichtet - auch Morawa an einer Übernahme des Salzburger Vertriebsriesen interessiert ist, dementiert Rick gegenüber dem STANDARD. Oberleitner hat auch von einem Angebot von Gruner + Jahr (Mehrheitsgesellschafterin der Verlagsgruppe News) bisher nichts gehört, "und das sollte ich wissen".

Fall für Kartellgericht

Der Pressegroßvertrieb gehört - noch - den Brüdern Franz und Frieder aus der deutschen Verlegerfamilie Burda. Er hat, im Gegensatz zu Morawa und vor allem Mediaprint, keine Zeitungen im Angebot. Hauptkunde ist der deutsche Bauer-Verlag (Bravo, Neue Revue, Tina, TV-Movie, Playboy). Laut Oberleitner wurden die Verträge mit dem Konzern erst im Vorjahr erneuert und laufen noch "einige Jahre".

Den kolportierten Kaufpreis von 37 Millionen Euro (rund 500 Millionen Schilling) hält Oberleitner "für aus der Luft gegriffen". Morawa-Chef Rick bezweifelt, dass der im Wesentlichen auf Vertriebsrechten basierende Pressegroßvertrieb diese Summe wert ist.

"Ein harter Brocken"

Sollte es zu einer solchen Übernahme kommen, "wird es für uns schwierig", sagt Rick. "Sicher" würde sein Unternehmen einen solchen Deal "kartellrechtlich beeinspruchen". Rick: "Wenn in Österreich Kartellrecht nur irgendwie exekutiert wird, ist das unmöglich vorstellbar."

"Denkbar ist alles", entgegnet der renommierte Kartellrechtler Walter Barfuß. Einer Untersagung des Deals zu entgehen wäre aber "ein harter Brocken" und "nicht leicht zu bewältigen".

WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (fid/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 14. Februar 2002)

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