Familienkrach: Voest gegen ÖIAG

15. Februar 2002, 09:14
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Anstehende Kapitalerhöhung könnte abgeblasen werden - Investoren fordern Rückzug des Staates

Wien/Linz - Zwischen dem Linzer Stahlkonzern Voest Alpine und seinem größten Einzelaktionär ÖIAG, der Beteiligungsholding der Republik, ist im Vorfeld der geplanten Kapitalerhöhung ein heftiger Streit über die künftig Eigentümerstruktur entbrannt.

Maßgebliche institutionelle Investoren, vor allem aus den USA, hätten "deutlich negativ" auf die Ankündigung der ÖIAG reagiert, bei der Kapitalerhöhung mitziehen zu wollen, um so den Staatsanteil von 37,8 Prozent beizubehalten. Kauft die ÖIAG keine Aktien nach, und das war bis vor kurzem Stand der Dinge, wäre der Staatsanteil zumindest unter 30 Prozent gesunken.

Kopfschütteln

Auch österreichische Investoren, wie Wolfgang Matejka von der Allianz, die mehr als fünf Prozent an der Voest Alpine hält, schütteln über die neue ÖIAG-Strategie nur den Kopf: "Ich halte das für eine ungesunde Entwicklung, wenn die ÖIAG hier aktiv mitzieht. Es ist zu erwarten, dass sich nun ein Druck vom Kapitalmarkt her gegen die Kapitalerhöhung aufbaut, die Aktie weiter an Wert verliert, und die Voest Alpine von sich aus Abstand nimmt von dem geplanten Schritt."

Zur Finanzierung des Aktienkaufes müsste die ÖIAG etwa 72,6 Mio. Euro oder eine Milliarde Schilling auf den Tisch blättern, die nur aus höheren Dividenden ihren Beteiligungsunternehmen kommen können. Schon die erhöhte Dividende der Voest Alpine von 1,90 Euro aus dem Vorjahr war "ein entsprechendes Zugeständnis an die ÖIAG", sagt ein Insider. Das erhöhe "die Verwundbarkeit" der Firmen, an denen die ÖIAG noch Anteile hält, heißt es.

Michaelis: "Strategische Notwendigkeit"

ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis wehrt sich gegen den Vorwurf, hier einen Richtungsschwenk in der bisherigen Privatisierungsstrategie vorzunehmen. "Das ist keine Politikänderung, sondern eine strategische Notwendigkeit, um im Falles des Falles die Mehrheit zu wahren."

Als "Fall des Falles" gilt bei der ÖIAG der Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm, bei dem eine private Investorengruppe rund um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries mehr als 25 Prozent der Anteile erworben hat und nun die ÖIAG de facto nichts mehr zu sagen hat. Fries, der bei Böhler bis auf 30 Prozent zukaufen will, wundert sich, dass er als "warnendes Beispiel" bezeichnet wird. "Die ÖIAG und wer dort was zu sagen hat, ist oft schwer zu durchschauen."

Seit dem Einstieg von Fries & Co ist der Böhler-Kurs von rund 32 Euro auf 46 Euro gestiegen. Die Voest Alpine hat seit Jahresanfang rund sechs Prozent an Wert verloren. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 14.2.2002)

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