Laut Zeitungsbericht ist ein Kamera-Überwachungsnetz für Washington geplant

13. Februar 2002, 17:40
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Bürgerrechtsorganisationen besorgt: Es gibt wenige gesetzliche Einschränkungen

New York - Die Polizei Washingtons baut einem Zeitungsbericht zufolge das landesweit größte Netz von Überwachungskameras auf, um Einkaufszonen, Straßen, Denkmäler und andere öffentliche Räume in der US-Hauptstadt zu beobachten. Diese Pläne bereiten Bürgerrechtsorganisationen Sorge, wie das "Wall Street Journal" am Mittwoch berichtete.

Das System werde letztendlich Hunderte von Kameras umfassen, berichtete die Zeitung weiter. Die neuen Digitalkameras sollen mit vorhandenen Geräten in U-Bahnstationen, Schulen und Straßenkreuzungen verbunden werden, damit ganze Nachbarschaften und Einkaufsbezirken überwacht werden könnten.

"Im Zusammenhang mit dem 11. September haben wir keine Wahl, als diese Technik in großem Maßstab einzusetzen", sagte der Projektchef der Polizei, Stephen Gaffigan, der Zeitung. Vertreter der Stadt hätten sich das britische Überwachungssystem angesehen, bei dem rund zwei Millionen Kameras landesweit eingesetzt werden, und seien von dem Modell sehr angetan.

In Zukunft sollten Bilder direkt im Streifenwagen zu sehen sein

Gegenwärtig erlaube das System noch nicht den automatischen Vergleich eines Gesichtes in einer Menschenmenge mit dem Computerbild eines Verdächtigen, hieß es in dem Bericht. Gaffigan zufolge werde diese Technik von den Behörden geprüft, es sei jedoch noch nicht entschieden worden, ob sie eingesetzt werde. In Zukunft sollten die Bilder sofort auf Computern im Streifenwagen zu sehen sein. Fast alle der rund 1.000 Streifenwagen der Stadt seien bereits mit Computern ausgestattet, hieß es weiter.

Dem Bericht zufolge gehen die Überwachungspläne weit darüber hinaus, was in anderen Städten angewandt werde. Dies bereite Verfechtern von Bürgerechten Sorge. Barry Steinhardt, stellvertretender Chef der Amerikanischen Union für Bürgerrechte in New York, sagte der Zeitung, es gebe wenige gesetzliche Einschränkungen für die Videoüberwachung der öffentlichen Straßen. Wenn aber eine zentrale Stelle für die Überwachung eingerichtet werde, dann sei es wahrscheinlich, dass die Kameras "öfter gebraucht und öfter missbraucht werden".

Seit den jüngsten Warnungen zu neuen Anschlägen in den USA hat die Polizei am Dienstag dem Bericht zufolge eine Kommandozentrale aktiviert, zu der Dutzende von Videostationen gehören. Über diese Stationen werden die Aufnahmen der Überwachungskameras verfolgt. Polizisten könnten nach Bedarf die Steuerung des Systems von Hand übernehmen, wenn sie irgendetwas genauer beobachten wollten.

Die Polizei Washingtons hatte erstmals im April 2000 Überwachungskameras eingesetzt, um die Demonstrationen während der Konferenz der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zu beobachten.(APA/Reuters)

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