Dresdner Bank und HVB wollen für Kirchs Springer-Anteil

13. Februar 2002, 16:03
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Murdoch will Ausstiegsoption bei Premiere nutzen - Schröder "kein Akteur" bei Rettung der Kirch-Gruppe

Nach der HypoVereinsbank (HVB) erwägt auch die Dresdner Bank einen Kauf der Kirch-Anteile am Axel Springer Verlag. Das Frankfurter Geldhaus prüfe ein Offert für den 40-prozentigen Anteil an Europas größtem Pressekonzern, hieß es am Mittwoch aus Finanzkreisen.

Der US-australische Medien-Tycoon Rupert Murdoch erhöhte unterdessen den Druck auf die hoch verschuldete Kirch-Gruppe: Er kündigte definitiv einen Ausstieg aus Kirchs Bezahlsender Premiere World an, wofür Kirch rund 1,6 Mrd. Euro (22 Mrd. S) zahlen müsste. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) betonte, er favorisiere eine deutsche Lösung bei der Neuordnung der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe.

Dresdner Bank und HVB

Wie die HypoVereinsbank ist die Dresdner Bank wichtiger Gläubiger von Kirch. Bei beiden Banken steht der Münchner Medienunternehmer mit je rund 460 Mill. Euro in der Kreide. Insgesamt haben sich bei Kirch Schulden von 5 bis 6 Mrd. Euro angehäuft; das Unternehmen sucht deshalb dringend nach Auswegen aus seiner Finanzkrise. Die HypoVereinsbank bietet nach Angaben aus Branchenkreisen für Kirchs Springer-Anteil 1,1 Mrd. Euro. Über ein Offert der Dresdner Bank lagen noch keine Angaben vor. Weder die Dresdner Bank noch Kirch wollten zu den Angaben bisher Stellung nehmen.

Laut "FTD" Treffen für Donnerstag geplant

Eine Entscheidung über den Springer-Anteil von Kirch wird für die nächsten Tage erwartet. Der "Financial Times Deutschland" zufolge hatte die Deutsche Bank als weiterer Kirch-Gläubiger für Mittwoch zu einem Investoren-Treffen eingeladen, bei dem über die Zukunft des Medienkonzerns gesprochen werden sollte. Gerüchte, wonach Deutschlands größtes Geldhaus interessiert sei, wies dieses zurück. "Wir werden uns nicht an dem Bieterwettbewerb beteiligen", sagte ein Sprecher. Ein weiteres Treffen ist laut "FTD" für Donnerstag geplant, zu dem Leo Kirch selbst eingeladen haben soll.

Hilfe von REWE?

KirchMedia-Gesellschafter Rewe deutete an, dass er bei einem begrenzten kurzfristigen Finanzbedarf der Kirch-Gruppe möglicherweise unter die Arme greifen könnte. "Wir zählen zu den Freunden des Hauses Kirch", sagte Rewe-Chef Hans Reischl in Köln. Der Lebensmittelhändler hält knapp 6 Prozent an KirchMedia.

Mit einem Verkauf des Springer-Pakets bekäme Kirch eine Atempause, gemeinsam mit dem Erlös aus dem Verkauf der Beteiligung am spanischen Sender Telecinco (als Interessent ist zuletzt der italienische Medienzar, Ministerpräsident Silvio Berlusconi, ins Spiel gekommen) könnte Kirch zumindest in den kommenden Monaten fällige Forderungen begleichen.

Murdoch will Ausstiegsoption bei Premiere nutzen

Problematisch wird es dann aber wieder ab Herbst. Rupert Murdoch als Kirchs Partner bei dem Verluste schreibenden Bezahlsender Premiere World zerschnitt endgültig das Tischtuch: Er werde seine ab 1. Oktober geltende Ausstiegsoption bei Premiere nutzen, sagte Murdoch am Dienstag (Ortszeit) vor Analysten in New York. Das dafür vereinbarte Geld werde er "mit allen möglichen Mitteln" einfordern. An der Beteiligung sei er definitiv nicht mehr interessiert. Auch die Übernahme der Kontrolle über Premiere schloss Murdoch aus. Er ist über den britischen PayTV-Sender BSkyB mit 22,03 Prozent an Premiere beteiligt.

Schröder: "Wenn es zu einer deutschen Lösung komme, sei dies "umso besser"

Über die Motive von Murdoch wird derzeit viel spekuliert. In der Politik wird offenbar befürchtet, dass der nicht gerade als zimperlich bekannte Australier die Probleme bei Kirch zu einem groß angelegten Einstieg in Deutschland nutzt und so wesentlichen Einfluss auf heimische Medien bekommt. Bundeskanzler Schröder sagte daher am Mittwoch auf seiner Lateinamerikareise, wenn es zu einer deutschen Lösung komme, sei dies "umso besser". Man müsse aufpassen, dass keine Lösung blockiert werde, die Arbeitsplätze in Deutschland halte. Insgesamt hat die Kirch-Gruppe rund 9.500 Beschäftigte.

Lösung müsse allein von den Investoren kommen

Nach Angaben des Kanzlers dürfen aber ausländische Kapitalgeber von einem Engagement in Deutschland nicht abgehalten werden. Grundsätzlich seien auch australische und amerikanische Investoren in der Branche in Deutschland gerne gesehen. Schröder betonte ferner, er selbst sei bei den Verhandlungen zur Rettung der Kirch-Gruppe "kein Akteur". Die Lösung müsse allein von den Investoren kommen.

Im Gegensatz zu Schröder sprach sich der Chef der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), Ernst-Joachim Mestmäcker, gegen eine nationale Lösung im Fall Kirch aus. "Eine Einigelung der deutschen elektronischen Medien ist kein Konzept", sagte Mestmäcker der Zeitung "Die Woche" (Donnerstag- Ausgabe). (APA/AFP/dpa/AP/red)

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