Milosevic wusste laut Anklage bereits im Frühjahr 1998 von Kosovo-Verbrechen

13. Februar 2002, 15:38
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Augenzeuge beschrieb in einem Brief Zerstörung albanischer Dörfer

Belgrad/Den Haag - Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic war bereits im Frühjahr 1998 über Verbrechen der serbischen Sicherheitskräfte an der Zivilbevölkerung im Kosovo informiert. Dies erklärte der stellvertretende Ankläger des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Geoffrey Nice, am Mittwoch vor dem Gericht in Den Haag. Milosevic sei vom damaligen Generalstabschef Momcilo Perisic der Brief eines Augenzeugen übergeben worden, in dem die Zerstörung albanischer Dörfer im Kosovo beschrieben wurde. Der Mann werde vor dem Tribunal als "geschützter" Zeugen aussagen, so Nice.

Nice ging auch auf die Rolle des früheren serbischen Geheimpolizeichefs Jovica Stanisic bei der Versorgung der kroatischen und bosnischen Serben mit Waffen ein: "Diesen Mann muss man in Erinnerung behalten." Stanisic selbst bezeichnete den Milosevic-Prozess gegenüber der Presseagentur BETA als "hässlich", wollte die Aussagen von Nice aber nicht kommentieren.

Auf die Frage nach seinen möglichen Kontakten zu den Tribunalsermittlern wollte der langjährige engste Mitarbeiter Milosevics keine klare Antwort geben. Er sei zu viel gefragt worden, meinte Stanisic. Der hohe Polizeibeamte war im September 1998 entlassen worden. Er soll sich radikaleren "Polizeimaßnahmen" im Kosovo widersetzt haben.(APA)

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