Die Peripherie wird salonfähig

13. Februar 2002, 13:09
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Die Bürohochhäuser am Stadtrand werden auch für etablierte Branchen immer interessanter.

Internationale Anleger kaufen sich dort ein und könnten dadurch die niedrigen Büromieten in Wien auf westeuropäisches Niveau heben.

Neue Bürohochhäuser wachsen heuer langsamer in die Skyline der österreichischen Bundeshauptstadt, aber die im europäischen Vergleich sehr niedrigen Büromieten könnten schon bald in internationale Regionen steigen. "Das ist kein Optimismus, sondern eine realistische Einschätzung", sagte Immofinanz-Chef Karl Petrikovics.

Er begründet seine Zuversicht mit steigender Nachfrage durch internationale Investoren. Diese würden jetzt kaufen und in zwei bis drei Jahren in die Wiederverwertungsphase eintreten. "Die sind viel ertragsbewusster als österreichische Vermieter", so Petrikovics und "noch nicht so geschlagen durch das österreichische Mietgesetz."

Die Landeshauptstädte dürften von dieser Entwicklung jedoch kaum profitieren. Dort kostet nämlich eine Neuerrichtung gleich viel wie in Wien, durch das niedrigere Mietniveau sind aber keine entsprechenden Renditen darstellbar.

Mit rund 300.000 m² an neuer Bürofläche bleibt das Angebot heuer stabil, rund 200.000 bis 250.000 m² werden laut Petrikovics durch die Anlaufzeiten bei Großprojekten neu vermietet.

Gegen Jahresende soll nach seiner Modernisierung der Galaxy Tower in der Wiener Praterstraße in Betrieb gehen, im Frühjahr folgt dann der Vienna City Tower beim Bahnhof Wien-Mitte. Eine Enge bei Angebot oder Nachfrage will Ariel Muzicant, Chef von Colliers Columbus Immobilien, aber nicht entdecken, vielmehr werde der Nachfragerückgang aus dem IT-Bereich durch traditionelle Branchen kompensiert.

Die Zuversicht von Petrikovics kann Muzicant aber nicht teilen. Wiewohl die Nettomiete für Toplagen in Wien im Vorjahr mit 21,8 Euro je m² am untersten Rand der europäischen Hauptstädte liegt, erwartet er nur eine langsame Aufwärtstendenz: "Das ist eine Entwicklung, die Jahrzehnte dauern wird."

Während die Büromieten in Wien damit auf dem Niveau von Städten wie Budapest und Prag liegen, erwartet Muzicant für heuer lediglich einen Anstieg auf 22,5 EURO/m². Zum Vergleich: In München werden in Toplagen 32,3 EURO/m² bezahlt, in Paris sind es 63,5 EURO und - unangefochtener Spitzenreiter - London mit 127,1 EURO.

Firmen aus dem Bereich Banken, Pharma und Consulting setzen ihre Standortkonsolidierung fort und suchen Büros in attraktiven Lagen mit moderner Ausstattung und günstigen Betriebskosten. Falls ein Büro eines dieser drei Kriterien nicht erfüllen kann, rechnet Muzicant mit Verwertungsproblemen.

Abschied vom Palais

Bemerkenswert dabei ist aber, dass auch Rechtsanwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfer, die bisher penibel auf erste Adressen in der Innenstadt bedacht waren, ihre Palais-Büros aufgeben und ihren wichtigen Kunden in die moderneren Bürotürme nachziehen. Steigende Nachfrage wird als Folge des steigenden Kostendrucks durch die Marktliberalisierung auch von Stromanbietern erwartet.

Der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York habe zwar die Mietpreise in Wien nicht gedrückt, doch zumindest eine Auswirkung ist laut Petrikovics zu beobachten: "Seit dem 11. September dauern die Entscheidungen viel länger." Es wird öfter besichtigt, die internationalen Konzernmütter greifen öfter in die Entscheidungsfindung ein, und Sicherheitsfragen rücken in den Vordergrund. (kor; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2002)

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