Virtuelle Charaktere sollen Eigenleben entwickeln

14. Februar 2002, 13:40
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Neue Technologie soll Computern Verstehen, Sprechen, Lernen und Denken ermöglichen

Die Zukunft der Computerspiele scheint gerade begonnen zu haben. Die beiden britischen Forscher John G. Taylor und Dr. Neill Taylor vom King's College London, beide mit dem Spezialgebiet Künstliche Intelligenz und Gründer des Unternehmens Lobal Technologies, wollen mit ihrer neuen Technologie Computern neben eigenständigem Verstehen, Sprechen und Lernen, auch selbständiges Denken beibringen. Ein ehrgeiziges Ziel, das momentan vor allem die Spiele-Branche interessiert.

Virtuelle Charaktere mit Eigensinn

Die PC- und Konsolen-Spiele-Entwickler wollen die neue Technologie dazu nutzen um ihren Charakteren mehr Realismus zu geben und dem Spieler eine neue Form der Herausforderung bieten zu können. So könnten etwa Strategie-Spiele mit einer zu befehligenden Gruppe von Computer-Charakteren in Zukunft viel interessanter gestaltet werden können, da ein Befehl vom virtuellen Mitstreiter verstanden, richtig interpretiert und ausgeführt wird. Lästiges mehrmaliges anklicken, Bestätigen und die andauernde Kontrolle der Spielzüge würde so entfallen.

Das Zauberwort: "Language Acquisition Device"

Lobal Technologies entwickelt derzeit ein natürliches Sprachverarbeitungsprogramm mit dem Namen "Language Acquisition Device" (LAD), das gesprochene Kommandos verstehen, richtig interpretieren und von den Abläufen lernen können soll. Das Programm soll auf der Architektur des Sprachzentrums des menschlichen Gehirns basieren. Neurale Netzwerke in LAD ahmen die Funktionen der Stirnhinterlappen, dem Teil des menschlichen Gehirns der für Sprache und Emotionen zuständig ist, nach.

"Ohne Regeln, wie ein Kind" Der große Unterschied zwischen LAD und anderen Ansätzen zur Erforschung und Schaffung Künstlicher Intelligenz, liegt in der Art des Erlernens. Während viele Forscher versuchen mit festen Regeln und einem vorgegebenen Vokabular Erfolg zu feiern, setzt LAD auf "kindliches" Spracherlernen. Der Computer soll durch Beispiele und Assoziationen Sprache lernen.

"Momentan sind wir 18 Monate alt"

Die britischen Forscher berichten, das LAD bereits die Lernfähigkeiten und Erfolge eines Kleinkindes im Alter von 18 Monaten erreicht haben soll. In diesem Alter wird viel verstanden, jedoch noch wenig gesprochen. Innerhalb des nächsten Jahres wollen die Forscher die Lernkapazität eines Volksschulkindes erreicht haben. Schon jetzt sind der "Einbau" von Emotionen, Trieben und sogar einem echten Bewusstsein geplant.

Viele Einsatzgebiete

Die Einsatzgebiete für diese neue Technologie sind weit gestreut. Neben interaktiver Unterhaltung und der Hilfe für behinderte Menschen, sollen die Märkte Heimautomation und Informationswiedergewinnung erschlossen werden. Erste Verhandlungen und konkretes Interesse gibt es allerdings erst mit der Videospiel-Industrie.(red)

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