Gruppe von Taliban-Führern will sich möglicherweise stellen

13. Februar 2002, 14:05
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Möglicherweise vefinden sich darunter auch ehemalige Minister - Afghanische Kritik am Iran

Kandahar - Die afghanischen Behörden verhandeln mit einer Gruppe von 15 Taliban-Führern über deren Aufgabe. Unter ihnen befinden sich nach Angaben eines Sprechers des Gouverneurs von Kandahar möglicherweise auch ehemalige Minister. Die Verhandlungen liefen über Abgesandte von Gouverneur Gul Agha, teilte sein Sprecher Khalid Paschtun am Dienstag weiter mit.

Falls die Taliban-Führer sich stellen, könnten sie wichtige Informationen über den Verbleib des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden und des ehemaligen Taliban-Chefs Mullah Mohammed Omar liefern. Gouverneurssprecher Paschtun erklärte, die Verhandlungen könnten "eine Woche oder zwei oder drei oder vier" dauern.

Acht Verletzte bei Absturz eines US-Frachtflugzeugs

Beim Absturz eines Frachtflugzeugs der US-Luftwaffe in einer abgelegenen Region Afghanistans wurden unterdessen alle acht Besatzungsmitglieder verletzt. Keine der Verletzungen sei aber lebensbedrohlich, erklärte Armeesprecher Brad Lowell am Mittwoch. Die Maschine vom Typ MC-130P stürzte am Dienstagabend ab. Über die Absturzursache war nichts bekannt, sie sei aber offenbar nicht auf gegnerischen Beschuss zurückzuführen. Nähere Einzelheiten zum Einsatz des Flugzeuges wurden nicht gemacht. Das Propellerflugzeug wird üblicherweise zum Betanken von Hubschraubern der Spezialtruppen genutzt und wird vor allem nachts eingesetzt.

Rumsfeld verteidigt CIA, obwohl er nicht immer über seine Vorhaben berichte

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte am Dienstag, der Geheimdienst CIA habe bewaffnete, ferngesteuerte Spionageflugzeuge über Afghanistan im Einsatz. Dies sei aber bereits vor der Ankunft der US-Armee in Afghanistan der Fall gewesen. Die Piloten, die die Drohnen lenkten, unterstünden nicht dem militärischen Oberkommando des Afghanistaneinsatzes. Der Angriff einer solchen Drohne auf eine Gruppe angeblicher El-Kaida-Mitglieder am 4. Februar ist in die Schlagzeilen geraten, weil dabei nach Angaben von Dorfbewohnern Unschuldige getötet wurden.

Kritik an der Rolle der CIA wies Rumsfeld zurück. Der Geheimdienst überprüfe seine Pläne genau. Der Kommandant der US-Truppen in Afghanistan, General Tommy Franks, stehe fast ständig im Kontakt mit dem CIA. Allerdings berichte der Geheimdienst der Armee nicht immer, was er vorhabe, räumte Rumsfeld ein.

Afghanischer Innenminister: Bin Laden und Omar leben

Der afghanische Innenminister Yunis Kanuni erklärte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der in London ansässigen Zeitung "Ashark el Awsat", Bin Laden und Omar seien beide noch am Leben. Omar lebe in der Provinz Helmand im Süden und werde von seinem Stamm geschützt, Bin Laden halte sich in der Grenzregion zu Pakistan auf. Bis zu 50.000 Taliban-Kämpfer befinden sich nach Worten des Ministers noch in Afghanistan und stehen unter dem Schutz ihrer jeweiligen Stämme. "Die meisten von ihnen haben sich die Bärte abrasiert und die Form ihrer Turbane geändert", wird Kanuni von der Zeitung zitiert.

Provinzregierung Kandahar: Iran gewährt El-Kaida-kämpfern Unterschlupf

Der Iran gewährt nach Aussage der afghanischen Provinzregierung in Kandahar Kämpfern der Taliban und der El Kaida des moslemischen Extremisten Osama bin Laden Unterschlupf. Es gebe Berichte über die Einrichtung von Lagern auf iranischer Seite, sagte Paschtun am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir haben Berichte erhalten, dass besondere Lager aufgebaut wurden", sagte Paschtun. So etwa in Nusratabat rund 30 Kilometer westlich der Stadt Sahedan, die im Grenzdreieck zu Afghanistan und Pakistan liegt. Die iranische Regierung hat vehement bestritten, sich in die inneren Angelegenheiten des Nachbarlandes einmischen und die Stellung der neuen, an den USA orientierten Übergangsregierung untergraben zu wollen. Sie hat auch Vorwürfe der USA zurückgewiesen, El-Kaida-Kämpfern die Flucht zu ermöglichen.(APA/AP/Reuters)

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